Sich öffnen, damit das Glück hineinfallen kann

PDF / ePub

Eine kleine Lebensphilosophie

Sich öffnen für das Glück, aber wie?

„Augenblick, verweile doch, du bist so schön“, diese faustische Unruhe ist seit Jahrhunderten ein Thema. Was Goethe so ausdrückt, formulierte Friedrich Nietzsche als „Lust, will Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit“. Mir persönlich ist es auch kürzlich passiert, dass ich das Glück zu sehr festhalten wollte. Auf einer Party gab es ein sehr schönes Gespräch, das sich in meinem Kopf bis zur Verliebtheit steigerte. Da merkte ich im Nachhinein: Sich einreden, die andere müsse auf eine bestimmte Weise handeln, ist auch eine Möglichkeit, sich selbst unglücklich zu machen. Das Gespräch war eben einfach wertvoll, weil es ein schöner Moment war. Das Festhalten des Moments ist wie der Versuch, Pudding an die Wand zu nageln.

Wenn das Leben gerade seine Schattenseiten zeigt, möchte man umso mehr einfach mal glücklich sein. Doch Moment! Wir sind es selbst, die aus der Sonne gegangen sind. Wenn das Glück so flüchtig ist, dann führen hohe Erwartungen und folgliche Enttäuschungen zu Unglück. Pastor Claus Hoppe aus der Lokstedter Christ-König-Kirche hat in seiner heutigen Predigt einen guten Rat an die Gemeinde: Beim Glück geht es vor allem darum, sich zu öffnen. Glück hat viel damit zu tun, das authentisch auszudrücken, was man gerade fühlt, ohne es einer Bewertung zu unterziehen. Auf die Frage wie geht es? Einfach mal ein Gefühl nennen statt ein flaches „gut“, „passt schon“ oder „könnte besser sein“.

Sich auf die Schliche kommen


Dieses Gedicht Gedankenreise eines Liebenden ist im ersten Moment der Ausdruck von Gefühlen und Gedanken, die in Sehnsucht getränkt sind. Doch mit mehr Abstand ist es eitel: Das lyrische Ich stellt eine Forderung und findet in ihrer Nicht-Erfüllung Grund genug, sich in Trauer zu legen. Sich für das Glück öffnen, heißt vielleicht, sich mehr auf die Schliche kommen.

Für mich ist der Glück des Zufalls in der Mitte zwischen Versicherungsdenken und Engstirnigkeit. Beim Versicherungsdenken probiert man gar nicht erst, etwas zu erreichen, weil man denkt, es sowieso nicht zu schaffen. Mit anderen Worten: Man nimmt das Scheitern vorweg. Bei der Engstirnigkeit fordert man absolut etwas und nur genau das Eine.

Stellen Sie sich vor, jemand versucht eine Theorie des Humors aufzustellen. So etwas probierte etwa Sheldon Cooper in der Serie The Big Bang Theroy. Im Ergebnis waren die Resultate dürftig. Denn ein guter Witz entsteht spontan, Situationskomik kann man nicht planen. In gleicher Weise verhällt es sich mit dem Glück: Es entzieht sich der Berechnung, aber in der geöffneten Haltung bin ich eine Regenrinne, die bereit ist, Wasser aufzufangen.

… dann wird euch alles andere zufallen

Biblisch gesehen ist der Weg zum Glück in der etwas altertümlich erscheinenden Formulierung nach dem Trachten nach dem Reich Gottes: Trachten kommt von dem lateinischen tractare und hat unter anderem die Bedeutung „handhaben, bearbeiten“, kann im übertragenen Sinne aber auch „spielen“ bedeuten. Eng verknüpft mit ihm sind die Seligpreisungen, besonders markant ist meiner Meinung nach die Demut. Nicht in dem Sinne, sich ungesund klein zu halten, sondern sich im Blick auf die Weite des Himmels etwas zu relativieren und zu sehen: Die Welt um mich dient nicht alleine meinem Glück, sondern ich kann der Welt dienen und werde dabei vielleicht wie nebenbei glücklich.

Ähnliche Beiträge

  • Was tun Sie eigentlich, um glücklich zu werden? Diese Frage wird selten so direkt gestellt, aber viele scheinen doch nach Glück zu streben, sonst füllten sich die Bücherregale nicht mit so vieler Ratgeberliteratur rund ums Glück. Aber kann ich das Glück anstreben, so wie ich mir vornehmen kann, Menschen anzusprechen…
  • Was Gefühle angeht, scheint es eine gewisse Grenze zu geben, zwischen dem, was man nach Außen zeigen kann, und zwischen dem, was man mit sich alleine ausmachen soll. Freude etwa teilt man gerne. Ich freue mich für jemand anderen; an allen Ecken und Enden finden sich Glückwünsche, ob Hochzeit, Berufsabschluss…
  • Einige sprachliche Bilder greifen heraus, wie jeder Mensch von persönlichen Denk- , Wahrnehmungs- und Handlungsmustern geprägt ist. Da heißt es etwa "In seiner eigenen Welt zu leben", "Alles ist subjektiv" oder im wissenschafltichen Sinne: "Die Welt ist konstruiert im Kopf". Kennen Sie Situationen, in denen Sie sich selbst blockieren, obwohl…

Kommentar verfassen