Gott handelt durch seinen Geist in uns

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Theologische Gedanken zu Frieden und Gerechtigkeit

Das Alter eines Textes sagt noch nichts über seine Aktualität aus. Soziale Gerechtigkeit ist eine Frage, welche sich die Propheten vor 2600 Jahren stellten, und heute am 13. Sonntag nach Trinitatis mit Blick auf Kriege, Hunger, Armut und Umweltzerstörung hohe Brisanz hat. Pfarrerin Franziska Pannewick aus der Nürnberger Gemeinde Zum Guten Hirten schlug die Brücke vom Alten Testament zur heutigen Zeit, indem sie über Jesaja 29,17-24 predigte. Beklemmende Stimmung herrscht in der Bibelstelle und zeigt gleichsam das aktuelle Weltgeschehen an. Pannewick verglich die Situation mit einer Schwimmerin, die gerade noch den Kopf über Wasser halten kann. Wie kann Gott helfen?

Frau in Seenot — eine Metapher für die aktuelle Lage in der Welt? Bild: © Dudarev Mikhail / Fotolia.com

Der Predigttext als Spiegelbild

Wer dem Rad in die Speichen greift, kann die Drehbewegung stoppen. Eine Metapher, die vor allem durch Dietrich Bonhoeffer berühmt wurde und für Widerstand steht. Bild: © mikhasik / Fotolia.com

Rassismus und despotische Herrscher — zwei Kernprobleme, die sowohl für den Predigttext als auch für heute gelten. In polnischen Schulen soll nur noch polnische Geschichte gelehrt werden. Ungarn weigert sich trotz eines Gerichtsurteils, Geflüchtete aufzunehmen. In der Bibel sind die Despoten ägyptische, assyrische und babylonische Könige, heute stehen sie als demokratisch gewählte Präsidenten an der Spitze des Staates, etwa Donald Trump in den Vereinigten Staaten von Amerika.
Israel war in einem Spannungsfeld, wie eine Schwimmerin im Wasser: Mal taucht der Kopf schon unterhalb der Meeresspiegels, mal taucht er wieder auf, um kurz nach Luft japsen zu können. Und doch zeigt sich bei Jesaja ein Bild der Hoffnung:

Denn es wird ein Ende haben mit den Tyrannen und mit den Spöttern aus sein, und es werden vertilgt werden alle, die darauf aus sind, Unheil anzurichten, welche die Leute schuldig sprechen vor Gericht und stellen dem nach, der sie zurechtweist im Tor, und beugen durch Lügen das Recht des Unschuldigen
Jesaja 29,20.21

Wie Gott eingreift

Der Bibeltext ist eine Verheißung: Alles wird gut werden. Unrecht wird bestraft. Unschuldige gerechtfertigt. Gott ist ein Gott des Lebens und des Wandels. Aber Gott ist nicht wie der Himmelsvater Zeus, der mit übernatürlicher Muskelkraft agiert. Nein, vielmehr dreht Gott an der Stelle des Geistes. „Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben.“ (Hesekiel 36,26).

Der Altarraum in der Kirche Zum Guten Hirten am 10. September 2017.

Blumen säumen den Eingangsbereich der Kirche zum Guten Hirten.

Ein Stein, der ins Wasser gefallen ist, kann weite Kreise ziehen. Bild: © masterzphotofo / Fotolia.com

Gott ändert Menschen insofern: Menschen ändern den Blickwinkel auf die Welt. Gewissermaßen dreht sich die religiöse Sehnsucht um: „Gott hofft auf uns“. Wasser kann auf lange Sicht mächtiger sein als Fels, was etwa Gezeitenkraftwerke zeigen oder Vermessungen auf der Insel Sylt. Jede Klippe wird einmal Sand sein, auf lange Sicht. Dieses Bild ist ein Ausdruck von Hoffnung, eine Hoffnung, die so verheißungsvoll scheint, dass man sie bisher nur erahnen kann. Wer aber keine Steine ins Wasser wirft, kann auch nichts bewegen.

Link zum Predigttext Jesaja 29,17-24

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