Menschlicher und göttlicher Wille

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Der Monatsspruch Mai gibt Zuversicht aus dem Glauben

Die Studentin zittert. Nach dem Gruß der Professorin schaut sie schüchtern zu Boden. Stotternd kann sie jedoch jede Frage der Prüferin beantworten. Zum Schluss sagt die Professorin: „Kein Grund zur Sorge, Sie wissen doch alles…“ — ein zartes Lächeln huscht über das Gesicht der Studentin, dann läuft sie zur Tür hinaus. Wie wäre die Prüfung verlaufen, wenn die Studentin nicht nur alles gewusst hätte, sondern sich auch sicher gewesem wäre? Oder hat sie im philosophischen Sinne gar nichts gewusst, sondern nur geglaubt mit Unsicherheit? Der Monatsspruch Mai setzt Glaube, Zuversicht und Nicht-Zweifeln in engen Zusammenhang: „Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ (Hebräerbrief 11,1).

Die Ausrüstung verbessern oder den Weg verlassen

Wer zweifelt, springt hin und her, vielleicht, vielleicht auch nicht. Wer hofft, zweifelt nicht; das, worauf man hofft, hält man für möglich, ja für wahrscheinlich, sonst könnte man gar nicht hoffen. In manchen Situationen kann man sich geradezu verbohren. Ich stelle mir das Leben manchmal als beschwerlichen Weg vor. Da mag das Bauch-Einziehen nicht mehr reichen, nein, man bräuchte immer bessere Ausrüstung, um Steine abzuschlagen und hängende Äste mit der Axt zu bearbeiten. Schweißgebadet hält man plötzlich inne, und da wird es klar: Statt mich immer weiter anzupassen, kann ich auch die Umwelt ändern, indem ich den Weg verlasse. Umkehren.

Einer meiner besten Freunde hat mit einem abgschlossenen Master eine Stelle angetreten, bei der schnell klar wurde: Das ist es nicht, was ihn glücklich machen wird. Irgendwann schrieb er eine Initiativbewerbung, und da tat sich ein guter Weg für ihn auf: Er war geebnet, der Blick frei. Hoffnung hat ihn getragen.

So wie ein Baum einen Schatten aufs Wasser wirft, kann der Suchende zumindest erahnen, was sein Ziel ist.

Leiden am Kreuz

Zum Leben gehört Leiden. Das Kreuz Jesu verstehe ich persönlich als Ort, an dem die eigenen Wunden ihren Platz haben. Jesus verbindet sich menschlich mit dem Leid der Welt. Manchmal sind wir unterwegs, und das Ziel ist nur als Schatten oder Umriss zu erkennen. Doch trotzdem gibt es diesen Moment, in dem menschlicher Wille auf göttlichen trifft und sie zusammenfallen. Der Glaube ist dann wie ein Geländer: Es steckt den Bereich ab, der für mich da ist. Es sichert mich davor, mich zu verrennen. Gott kann man dann spüren und daher hat man allen Grund zum Nichtzweifeln und zur Zuversicht.

Der Glaube ist wie ein Geländer für unterwegs: Er gibt Halt und gleichzeitig steckt er ab, was zum Weg gehört und was nicht.

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