Kategorie: Philosophie küsst Literatur

Jeden Sonntag soll ein Zitat aus der Philosophie Inspiration sein, um literarische Texte zu verfassen.

Ich und du

Philosophie küsst Literatur: Woche #3

Ablauf in der Zusammenfassung

Woche #3: Das Zitat

Anfangs gibt es nicht das Ich allein; die Zuschreibung an Andere ist genauso ursprünglich wie die Selbstzuschreibung.

Paul Ricœur (1990): Das Selbst als ein Anderer. Erste Abhandlung.

Sein

 

Werten oder mitteilen

Philosophie küsst Literatur: Woche #2

Ablauf in der Zusammenfassung

Woche #2: Das Zitat

Daß wir gerne sagen möchten ‚Das Wichtige ist das‚ — indem wir für uns selbst auf die Empfindung deuten, — zeigt schon, wir sehr wir geneigt sind, etwas zu sagen, was keine Mitteilung ist.

Ludwig Wittgenstein (1945) Philosophische Untersuchungen § 298.

Ich meine ja net, ich sag ja bloß…

Vor einigen Jahren erlebte ich eine Bürgerbeteiligung in Erlangen, in der es um die Sanierung einer Schleuse des Main-Rhein-Donau-Kanals ging. Als Mitarbeiter der Zeitung war ich ganz in der Rolle des Beobachters. Ich erlebte auf der einen Seite unsichere, wütende Bürger*innen, auf der anderen Seite den Versuch, mit Fakten auf Gefühle einzugehen. Ich hatte den Eindruck, so wirklich besser verstanden haben sich beide Seiten nicht.

Das Zitat von Wittgenstein macht deutlich: Viele Sätze der Sprache drücken etwas ganz Persönliches aus: einen eigenen, inneren Wert. Doch weil Diskussionen oft allgemein geführt werden, läuft auf der Vorderbühne ein Streit um Wahrheit ab, aber auf der Hinterbühne sind es Gefühle oder verletzte Gefühle oder Angst, verletzt zu werden.

Was brauchst du? Was fühlst du? Was wünscht du?

Schon seit Längerem mache ich mir Gedanken, warum es nicht viel länger schon möglich ist, die gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg zu praktizieren. Statt sich hinter allgemeinen Argumenten zu verstecken oder jemanden indirekt zu beleidigen, legt jeder auf den Tisch, was er oder sie gerade braucht (Bedürfnis), empfindet (Gefühl), beobachtet und was er oder sie sich wünscht. Alleine dieser Schritt nach innen würde das Tempo eines Streites um einiges verlangsamen, denn es bedarf erst einmal der Klärung: Der Mund redet, aber was ist da eigentlich in meinem eigenen Körper los?

Wittgenstein zeigt mit seinen Zitat, dass es um eine Relativierung geht: Was wir empfinden und gut halten, hat mit unserer Biografie zu tun, mit Erziehung, mit Vorbildern, mit Grenzerfahrungen. Die Angst, jemand nimmt mich nicht ernst, brauche ich nicht zu haben, wenn ich mein Herz dem anderen ein wenig aufdecke. Der andere wiederum braucht keine Angst zu haben, einfach weggebügelt zu werden, denn er oder sie kann einfach genauso antworten, was er beobachtet, braucht, fühlt und wünscht. Denn die Methode lässt sich gut spiegeln: Was nehme ich wahr? Was vermute ich, dass du brauchst? Was meine ich, dass du fühlst?

Philosophie küsst Literatur: Der Beginn einer Liebe

Wie über Social Media angekündigt, beginnt heute am Sonntag, 1. Juli, die neue Schreibaktion Philosophie küsst Literatur. #philkuss

Der Ablauf in der Zusammenfassung

Woche #1: Das Zitat

Das Selbstbewußtsein ist an und für sich, indem und dadurch, daß es für ein Anderes an und für sich ist; d.h. es ist nur als ein Anerkanntes.

Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1807), Phänomenologie des Geistes, Selbstständigkeit und Unselbstständigkeit des Selbstbewusstseins; Herrschaft und Knechtschaft

Beispielgedicht: Erstaunlich blind von Sebastian Nachdenker

Auf die Frage: Was ist echt,
mag ich kein Schauspiel geben.
Du siedelst mich auf einen Planeten aus,
während ich neben der stehe, rede, fühle.
Die Kunst der Verstellung ist deine Vorstellung.