Kategorie: Erzählende Texte

Erzählende Texte fiktionaler Natur. Eher kürzer als länger.

Harmonische Freude

#WritingFriday #9

Es war ein warmer Juli-Tag, als sich die Kälte in seinem Herz auflöste. Immer wenn er sie gesehen hatte: die fröhlichen Menschen, die händchenhaltenden Paare, die Kinderwagen, glaubte er, zwischen ihm und der Umwelt sei diese unsichtbare Wand. Doch heute spürte er, wie sehr der Blick auf die Welt aus der Warte der Kränkung war. Ja, er war eitel gewesen, auch verletzt.

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Krach im Arbeitszimmer

#WritingFriday #8

Mensch, also gestern, das verträgt ja kein Holzspan. Erst die Tinte, dann die Vase, das Wasser, igitt, dabei ist der Knauf an der Schublade meine sensibelste Stelle. So lange war ich nicht mehr beim Schleifer, das bekommt mir überhaupt nicht, die Küchenplatte lacht mich schon so laut aus, dass ich es durch die Tür hören kann. Und dauernd dieses Gefummel. Mal steht er, dann sitzt er wieder, und den ganzen Tag darf ich dann die Scharnierbeugen machen.

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Das Wiedersehen

#WritingFriday #7

Gregors Schuhe raschelten im Kies. Er blickte zu dem Turm hoch, der die Klostermauer überragte. Er dachte an den Tag ihrer Verlobung, als sie vor der Kamera lächelte, nachts aber auf seine Brust weinen musste. Überhaupt, Gwenny war wie eine liebende Mutter zu anderen, aber zu sich selbst…

Dann fiel ihm die doofe Wette mit seinem kleinen Bruder ein. Eigentlich hatte er bereits verloren: Denn er brauchte das GPS des Smartphone, um den Weg zu finden. „Tim, du hast gewonnen“, schrieb er einfach eine SMS und zögerte an der schweren Holztür des Klosters.

„Ach Gregorchen…“, murmelte Gwenny. Jäh wendete sie sich vom Tisch ab, dass der Stuhl umfiel. Die Bibel legte sie zu oberst auf die Tasche, sonst war alles gepackt. Der Reißverschluss war leicht zu schließen. Dann zögerte sie, bis sie schließlich den Kreuzgang entlang und dann durch die schwere Holztür nach draußen trat. Wieder redete sie vor sich hin: „Ach Gregorchen…“

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