Wer oder was ist der Teufel?

PDF / ePub

Pfarrer Volker Zuber über Himmel, Hölle und Tod

Zu Beginn seines neuen Vortrages am 24. November 2014 sagt Pfarrer Volker Zuber: Gott fehle in der Überschrift, der Begriff des Teufels wecke aber sowieso mehr Neugierde. Gibt es das Böse schlechthin überhaupt? Wie hängen Tod und Teufel zusammen? Was ist der Himmel? Diese drei Fragen bildeten den roten Faden des Vortrages Volker Zubers, Beauftragter für Weltanschauungen im evangelisch-lutherischen Dekanat Fürth.

Kriege sind ein durch Menschen verursachtes Übel. Im Bild die Reste der zerstörten Kathedrale im südenglischen Coventry, die als Mahnmahl für den Frieden stehen.

Jeder, der Nachrichten sieht, wird vor allem mit schlechten Nachrichten konfrontiert, die gute Nachricht ist etwas Besonderes, so Zuber. Im persönlichen Leben treffen Katastrophen jedoch nicht täglich ein, sondern bleiben für viele Menschen eine Ausnahme. Das Wissen um den Tod geht manchmal mit einer Angst einher, nach dem Tod werde es eine Bestrafung geben, Fegefeuer ist durchaus ein Begriff, von den so mancher Geistlicher noch zu reden weiß.

Zuber ist der Ansicht, in der heutigen freien Gesellschaft ist der Glaube an die Dinge in der Welt die persönliche Entscheidung. Je nach nach Lebensbewertung könne beispielsweise eine schwarze Katze um Mitternacht, die am Friedhof an den Grabsteinen entlangschlecht, für deinen einen unheimlich und böse wirken, während ein analytischer Mensch anfängt, die Katze mit den lateinischen Fachbegriffen näher zu bestimmen.

Die Vorstellung vom Tod entzieht sich eigentlich gleichsam der Vorstellungskraft, den wie Heidegger schon formulierte: Sterben tun immer die anderen. Vergleicht man die Lebensspanne eines Menschen mit der Spanne seines Todes, so hat der Tod eigentlich viel mehr Gewicht. Und das buchstäbliche Seelenheil spielt auch heute noch eine Rolle.

Tod und Teufel

Die Verführungsfigur in der Nürnberger Sebalduskirche: Unter dem feinen Mantel ist das Böse verborgen.

Zuber kritisiert deutlich, den Machtmissbrauch von Herrschenden durch Angst vor dem Tod bestimmte Handlungen der Menschen im Diesseits zu erzwingen, um einer vermeintlichen Bestrafung im Jenseits zu entgehen, etwa der Ablasshandel durch die Kirche. Für den Reformator Matin Luther war daher auch der Schlüsselpunkt den gnädigen und liebenden Gott zu erkennen bzw. bei Paulus im Römerbrief wiederzuentdecken.

Die klassische Unterscheidung des Übels in der Welt ist das nach natürlichem Übel wie Naturkatastrophen und moralischem Übel, also menschliche Fehlentscheidungen. Lapidar sagt Zuber: „Es menschelt auch heute noch teuflisch.“ Globale Verstrickungen sind Paradoxien: Im nördlichen Teil der Welt werden über ein Drittel der Lebensmittel weggeschmissen, während im südlichen Teil Menschen Hunger Leiden.

Trotzdem rät Zuber zur Vorsicht, einzelne Menschen als „den Teufel“ zu bezeichnen, das greife zu kurz. Das aus dem Griechischen stammende Wort „diabolos“ bedeutet „Durcheinanderbringer“. Die klassische Geschichte über die Verführung zum Bösen ist die Schlange im 1. Buch Mose: Wenn ihr von dieser Frucht esst, werdet ihr sein wie Gott, ihr könnt zwischen gut und böse unterscheiden. Also essen Adam und Eva in der symbolischen Geschichte von der verbotenen Frucht und beginnen zugleich schamhaft ihre Genitalien zu bedecken.

Hölle ist nach Zubers Meinung der Ort, an dem Menschen sein wollen wie Gott. Als Beispiel nennt Zuber Jörg Zinks Text Die letzten sieben Tage der Schöpfung. Sie seien auf erschreckende Weise wahr geworden. Im metaphorischem Sinne sammelt der Mensch sein Leben lang Kohlen für das eigene Fegefeuer. Der Umgang mit dem Bösen ist paradoxal: Verdrängt er das Böse, hat es den Menschen schon besiegt. Wer den Teufel zu deutlich an die Wand malt und ihn bekämpfen will, wird von ihm schon beherrscht. Die Furcht vor dem Bösen erzeugt selbst Böses.

Der Himmel

Als Gegenbegriff zur Hölle steht der Himmel. Was im Jenseits liegt, kann zumindest erahnt werden, wie der Blick durch einen Schlitz: Nahtoderfahrene berichten oft von Lichtwesen, von großer Harmonie und von hellem Licht. Zuber glaubt, dass der Mensch glaubt, sei in der Natur bereits angelegt. Jesus brachte den Himmel in seinen Reden und Handeln quasi auf die Erde. Statt materielles Streben ist für Jesus Achtsamkeit für die eigene Seele und das Soziale wichtig. Symbole wie Kerzen bringen Helligkeit — als Zeichen wie Jesus „die zarteste Liebe bringt, die die dunkelste Hölle vertreiben kann“, so Volker Zuber. Das verdeulicht das Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lukas 15,11-31), Jesu Redeweise „ Ich bin als Licht in die Welt gekommen, auf dass, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe.“ (Johannes 12,46); und „Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ (Johannes 4,16)

Liebe kann den selbst gesetzten Rahmen überwinden, während Rache den anderen mit in den Abgrund reißt. Liebe ist die Kraft, die das Böse überwindet. Für Paulus war Liebe das wichtigste, wichtiger als Hoffnung und Glaube (1. Korintherbrief 13,13). Das Jenseits entzieht sich der Sprache, doch Volker Zuber ist sich gewiss, nach dem Tod an einen Ort der Liebe zu gelangen.

Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn. (Römerbrief 8,38.39)

Einen Kommentar verfassen