Der andere Blick

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Pfarrer Volker Zuber über das Staunen

Wer hinter der Natur ein großes Kunstwerk sehen kann, sieht das Dahinter, liest zwischen den Zeilen und fragt sich: Warum ist nicht nichts? Gewohnheit und Erfahrung reichen da oft nicht aus, um mit Aha auf die Welt zu sehen. Am 27. April 2015 hat Pfarrer Volker Zuber in St. Michael zum Thema „Staunen — der andere Blick auf das Sein“ gesprochen und dabei das Publikum selbst zum Wundern gebracht.

Warum kann ein Ballon fliegen? Eine Frage, die einen ins Staunen versetzen kann.

Den Radius eines Kreises berechnen — oder über all die Formen und Farben der Umwelt staunen. Bild: Andreas Kuhnt

Staunen in der Wissenschaft

Fragt man nach den Ursachen des Lebens, kommt man zur Erkenntnis: Viele Faktoren sind fein abgestimmt, sonst wäre die Erde ein lebloser Planet. Das Leben auf der Erde ist so unwahrscheinlich als ob ein Affe zufällig auf der Schreibmaschine tippend ein Werk Goethes kreiert. Die Naturwissenschaft postuliert: Nichts auf der Erde ist zufällig. Kann es nicht gerade deshalb einen Gott als Schöpfer der geistreichen Materie geben?

Albert Einstein: „Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle. Es ist das Grundgefühl, das an der Wiege von wahrer Kunst und Wissenschaft steht. Wer es nicht kennt und sich nicht wundern, nicht mehr staunen kann, der ist sozusagen tot und sein Auge erloschen.“

Das Denken des Menschen erschöpfe sich nicht in der analytischen Denkfähigkeit, so Zuber.

Staunen über unser Leben

Blickt man vom Makrokosmos auf den Mikrokosmos des eigenen Körpers, so erfährt man auch hier etwas Geheimnisvolles: So wie alle Organe im Körper miteinander abgestimmt sind, ist Grund zum Staunen. Nach zehn Jahren ist kaum eine Zelle im Körper noch dieselbe und trotzdem bleibt eine Identität des Menschen erhalten. Der Körper besteht zu 99 Prozent aus Leere, so Zuber, und trotzdem kann sich der Geist des Menschen der Leere entziehen. Entscheidend ist also die Bewegung und die Komposition: „Das Leben ist ein Tanz nach einer bestimmten Melodie.“

Staunen in der Religion

In der Bibel selbst staunen die Akteure: „Ich [Jahwe] will dich [Abraham] segnen und deine Nachkommen mehren wie die Sterne am Himmel und wie den Sand am Ufer des Meeres, und deine Nachkommen sollen die Tore ihrer Feinde besitzen“ (1. Mose 22,17), so verheißt Gott den ungläubigen Abraham. Und wenn man Christen, Juden und Muslime zusammenzählt, kommt man auf zwei Drittel der Weltbevölkerung und für alle ist Abraham eine zentrale Figur. Aber auch die Verbreitung des Christentums ist ein Wunder, denn über 90 Prozent aller religiösen Strömungen können sich nicht dauerhaft halten.

Jeder spielt ein Instrument in der Sinfonie Gottes — hier die Erlanger Stadtkapelle.

In Bezug auf das Jenseis betonte Zuber den Gedanken des Lichtes. Wie Jesus von sich sagte: “ Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. “ (Johannes 8,12). Viele Berichte von Nahtoderfahrenen berichten von einem hellen Licht bzw. von einem Lichtwesen. Die unterschiedichen Konfessionen und Religionen bezeichnet Zuber als Instrumente. Den Himmel könne man sich gleichsam wie ein Orchester mit Gott als Dirigenten vorstellen. Es ist ein Zusammenklang und jeder soll sein Instrument virtuos beherrschen.

 

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