Mit der Uhr in der Hand? Über teilstrukturiertes Planen

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Die Formulierung Zu Tode planen lässt anklingen: Man kann es mit dem Planen auch übertreiben, sodass man — überspitzt formuliert — manchmal für die Planung mehr Zeit braucht als für die Ausführung. Zu Tode planen kann aber auch heißen, dass andere Dinge auf der Strecke bleiben, so etwas wie Spontanität. Otto Reutter (1870-1931) hat mal gedichtet: „Wir leben in ’ner eiligen, hastigen Zeit / mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand/ …“ Freilich, Planung gibt Sicherheit, aber die Frage ist: Was plant man und was lässt mich offen? Im Folgenden ein paar Gedanken zu einem teilstrukturierten Alltag:

Der gedruckte Kalender ist ein Werkzeug fürs Planen: Auf der linken Seite oben ist eine gelbe Markierung als Hinweis auf einen wichtigen Termin. Auf der rechten Seite sind an den Tagesaufgaben Haken zu sehen.

Kurz- und langfristige Ziele

Planung ist vor allem für eines sinnvoll: für wichtige oder längerfristige oder komplexere Dinge, damit bei ihnen nichts anbrennt. Daher nehme ich mir Jahres- und Monatsziele vor. Die Monatsziele bespreche ich mit zwei Freunden in einer Konferenzschaltung als soziale Kontrolle. Einige Tagesziele, zum Beispiel wichtige Einkäufe, schreibe ich unter den Terminen in den Kalender. An besonders frequentierten Tagen klebe ich zusätzlich einen Haftnotizzettel in den Kalender.

Wenn es sich aber vermeiden lässt, möchte ich nicht jede Stunde genau durchplanen, da bei Aufgaben die Stimmung wichtig ist: manchmal soll es eine ruhige Tätigkeit sein, manchmal braucht man vielleicht Bewegung. Manchmal kann eine monotone Tätigkeit entspannen, manchmal tut es gut, was ganz Kreatives zu tun.

Kreativität ist mir auch im Alltag wichtig, auch in kleinen Handlungen. Kürzlich trug ich Wäsche und Müll in den Keller. Da die Mülltonnen im Hof stehen und eisige Luft wehte, legte ich mir den Schal um, den ich dann sowieso gleich waschen wollte. Danach legte ich den Schal zusammen mit den anderen Kleidungsstücken in die Wäschetrommel — solches Mitdenken im Alltag ist eine Hilfe und bereitet einen auch Freude.

Freiräume in der Freizeit

Freude ist mir auch in der Freizeit wichtig, daher gibt es immer wieder Tage, an denen ich einfach eine neue Buslinie ausprobiere oder spontan wo hingehe, zum Beispiel in einen Gottesdienst, hier gefällt mir auch die Redewendung „nach seiner Nase gehen“. So ganz ohne Planung geht es aber auch im Bereich Freizeit nicht, denn für Freizeit-Termine ist eine zentrale Sammelstelle sicherlich sinnvoll.

Tools rund um das Planen

  1. Eine dieser Sammelstellen für Termine ist das Notizbuchprogramm OneNote. Hierbei ist die Synchronisierung interessant, da dann auch außerhalb des heimischen PCs eine Notiz möglich ist, etwa vom Tablet aus. Das Programm dient auch für Mitschriften im Studium. Insbesondere zwei Seiten nutze ich oft: Zum einen Soziales, das sind alle möglichen Termine von Konzert bis Kneipenbesuch, denn auch hier ist es wichtig, den Überblick zu behalten und Kontakte zu pflegen. Zum anderen eine allgemeine Aufgabenseite, in der ich Links platziere oder auch einfach Memos, die nicht tagesaktuell sind.
  2. Wie oben erwähnt ist der Kalender das zweite, wichtige Werkzeug. Ich nutze einen gedruckten Kalender im Format 12 mal 17 Zentimeter. Der Kalender hat für jeden Tag eine gleich große Seite. Jede Seite hat stündliche Zeilen von 8 bis 19 Uhr. Unter dem Kalendarium findet sich noch Platz, um Freitext zu platzieren, etwa die erwähnten Tagesaufgaben. Zusätzlich arbeite ich im Kalender mit Markierungen: Gibt es einen Tag mit einem wichtigen Termin, markiere ich den oberen Rand des Kalenders mit gelben Marker. Falls ich mal für mehrere Tage in eine andere Stadt reise, schreibe ich auch oben eine Abkürzung, damit ich mich darauf einstellen kann.
  3. Visualisierung wäre das dritte Mittel: Foto-Collagen können für längerfristige Ziele stehen. Auf Plakaten oder Schaubildern kann man Strukturen erfassen.
  4. Es sind aber auch zwei Dinge, die der Mensch selbst hat: Zum einen sein Gedächtnis. Nicht alles externalisieren, sondern sich Wichtiges immer wieder vorsagen und wiederholen. Zum anderen ist Innehalten immer wieder wichtig. Sich fragen: „Moment, was ich tue ich gerade eigentlich — will ich das wirklich?“

Ein Beispiel für Visualisierung im Form eines Plakates für die Bachelor-Arbeit in Philosophie.

Trotz aller Planung ist es doch oft genug so, dass einen manche Dinge einfach zufallen oder sie uns in den Sinn kommen, wenn man achtsam ist, das drückt auch die Redeweise aus: „Der Mensch denkt, Gott lenkt“.

Sebastian, der Autor, studiert Bibliotheks- und Informationsmanagement und hatte praktische Berufserfahrung im Bereich Wissensmanagement durch seine 18-monatige Tätigkeit als freier Journalist.
Dieser Beitrag ist Teil der Blog-Parade „Zu Tode geplant? – Planung ja oder nein?“.

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2 Kommentare

  1. Lieber Sebastian,
    danke dir für deinen Beitrag – ein sehr wichtiger Aspekt – und meiner persönlichen Ansicht so herrlich ähnlich! Ja, aus vollem Herzen, so soll es sein.
    Besonders das „… ein Hirn hat der Mensch ja auch noch. “ ;-)))
    lg
    Eva

    • Liebe Eva,

      vielen Dank für die Rückmeldung. Das freut mich, wenn du dich speziell in den Aspekten Innehalten & Gedächtnis wiederfinden konntest.

      Viele Grüße
      Sebastian

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