Schriftgelehrte der Gegenwart

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Gottesdienst über die Begegnung Philippi mit dem Kämmerer

Dr. Florian Höhne blickt freundlich in die Gemeinde der Heilig-Geist-Kirche und sagt: „Manchmal wünschte ich mir, irgendwo würde ein Philippus aus dem Licht auftauchen und mir helfen, die Bibel zu verstehen.“ In seiner Predigt am 6. Sonntag nach Trinitatis hat Höhne drei Wege gezeigt, Bibelstellen zu verstehen. Am 8. Juli war die Apostelgeschichte 8,26-39 Predigttext.

Drei Wege Bibelverse zu verstehen

1. Experten2. Gemeinschaft3. Zeit

Experten*innen trifft man virtuell und real. Sie schreiben Bücher, halten Vorträge in der Erwachsenenbildung und sind auf Konferenzpausen zu Gesprächen bereit. Wer eine geschichtliche Ahnung hat, in welcher Kultur und in welchem politischen Umfeld diejenigen lebten, von denen die Bibel erzählt, kann bestimmte Verse der Bibel besser verstehen.

So erzählt beispielsweise Josua 6 von der Eroberung des an Moses versprochenen heiligen Landes. Doch der reale Hintergrund war wohl, dass die Israeliten eine bereits verwüstete Stätte vorfanden. Aus Dankbarkeit heraus erzählten sie aufbauschende Geschichten, um über Gottes Größe und Beistand zu schwärmen. Doch auch mit diesem Wissen bleibe etwas Verstörendes in den Gewaltbildern, sagte Höhne.

Aber nicht nur Experten*innen, sondern auch die Gemeinschaft aller Christen ist eine Hilfe à la Philippus. Ob in Bibelkreisen, Frauen- und Männerrunden oder nach dem Gottesdienst: Jeder blickt mit seinem Vorverständnis auf einen Bibelvers, und jedem fällt eine Sache mehr auf als einem anderen.

Petrusaltar: Jesus stützt Petrus auf dem Wasser. Bild: Luis Borrassá / Tarrasa (bei Barcelona), Museum: Santa Maria, bereitgestellt unter freier Lizenz durch http://www.malerei-meisterwerke.de

In Matthäus 14 wird erzählt, wie Jesus über das Wasser laufen kann. Petrus ist begeistert und will es ihm gleichtun, aber als er am Versinken ist, rettet Jesus ihn mit dem Hinweis, Petri Glaube sei wohl zu klein. Florian Höhne kann sich noch sehr lebhaft an eine Vorbereitung eines Schulgottesdienstes erinnern. Ein Schüler hatte eine interessante Beobachtung in dem Text gemacht: Jesus lässt Petrus erst ins Wasser sinken, also er lässt ihn seine Erfahrung machen, erst dann rettet Jesus Petrus.

Manchmal wird auch die Zeit zu einem Philippus. Ein Tauf- oder Konfirmationsspruch kann plötzlich ganz lebendige Farben bekommen, weil man aus seiner eigenen Lebenserfahrung und Biografie ihn besser verstehen kann.

Die Wirkung einer guten Predigt

Der Kämmerer in der Apostelgeschichte ist relativ direkt und klar, als er Philippus um Hilfe bittet. Philippus wiederum weckt in dem Kämmerer mehr als nur ein Aha-Erlebnis. Er predigte ihm so, dass der Kämmerer die persönliche Bedeutung für sich selbst spürte und erfuhr, sich darüber freute und sich dann ganz spontan taufen ließ.

Deckenfresko zur Schöpfungsgeschichte in der Sixtinischen Kapelle, Hauptszene: Der Schöpfergott erschafft Adam. Bild: Michelangelo Buonarroti / Rom, Vatikan, Sixtinische Kapellebereitgestellt unter freier Lizenz durch http://www.malerei-meisterwerke.de.

Ein Beispiel für den persönlichen Bezug zu einem Bibelwort ist der Schöpfungsgedanke. Aus ihm lässt sich ableiten: „Ich bin gewollt“ — oder wie es in dem Kirchenlied „Vergiss es nie — du bist du“ heißt: „Ich bin ein Gedanke Gottes“. Wenn Philippus predigt, kann man sich vorstellen, dass in den menschlichen Worten ein göttliches Antlitz anzutreffen ist.

 

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