Der Heilige Geist verbindet

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Pfarrer Höhne zum Pfingstsonntag

Egal, welche Gestalt das Gewand des Glaubens hat, der Glaube ist ein Geschenk. An Pfingsten verbindet der Heilige Geist Schuldige mit Unschuldigen, Geachtete mit Verachteten und Angsehene mit Verstoßenen. Im Heiligen Geist ist die Handschrift Jesu: Wer im Heiligen Geist lebt, lässt sich anrühren vom Leid anderer, lässt den Nächsten sehen und hören und offen und sanft miteinander gegenübertreten. Dies war die Quintessenz für Pfingsten, die Pfarrer Dr. Florian Höhne in der Fürther Heilig-Geist-Kirche predigte.

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Gewänder des Glaubens

Jeder trägt seinen Glauben anders. Der eine mag ein Bußgewand anlegen wie Heinrich der Vierte, der den Gang nach Canossa zurückgelegt haben soll. Das Bußgewand ist unbequem und schwer, der Glaube ist eine Last. Eine andere mag den Glauben wie in einem Jogginganzug tragen: Bequem, der Stoff ist flexibel und dehnbar. Wieder jemand anderes mag vielleicht in eine peinliche Verkleidung schlüpfen: ganz heimlich zuhause bei zugezogenen Gardinen.

Im 1. Korintherbrief 2,12-16 zeigt sich Paulus als vom Heiligen Geist freudig erfüllter Mensch. Auf den ersten Blick mag man bei den vollmundigen Worten an das Sprichwort denken: „Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr“. Doch beim zweiten Blick zeigt sich: Paulus rühmt nicht sich selbst über alle Maße, sondern beschreibt seine Erüllung durch den Heiligen Geist.

Pfingsten bei Paulus

Paulus ist begeistert und möchte wie ein glühendes Feuer die Wärme an andere abgeben. Wer lässt sich von ihm mitreißen? Paulus erzählt vom Glauben als seiner Herzensangelegenheit. Paulus hat sozusagen ein offenes Kleid, das er sichtbar trägt und ausstrahlt: Seht Gott in mir. Gleichzeitig trommelt sich Paulus nicht auf die eigene Brust, sondern bleibt demütig: Hier ist ein Geschehen, das ihm passiert, das er als Geschenk empfängt. Es geht um nicht
weniger als um eine Neugeburt im Geiste.

Und davon reden wir auch nicht mit Worten, welche menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der Geist lehrt, und deuten geistliche Dinge für geistliche Menschen. (1. Korinther 2,13)

Der Glaube ist gestaltbar: Wer das Bußgewand gegen die Jogginghase tauscht, wird feststellen, wie das Gewicht des Glaubens leicht wird. Begreift man den Heiligen Geist als Schenkung Gottes selbst, so wird klar: Jeder darf um die Gegenwart des Geists bitten, jedoch nicht herbeiführen.

Das Geschenk Gottes erfahren zu dürfen ist eine Gnade, etwa in der Gemeinschaft. Dietrich Bonhoeffer erlebte beispielsweise durch seine Tätigkeit im Predigerseminar Finkenwalde, wie eine kritische Ausbildung jenseits der Nazi-Dikatur nur im Verborgenen möglich ist.

Der Heilige Geist, es wird auch vom Tröster oder einem Säuseln gesprochen, kann manchmal atmosphärisch wirken wie im Fußballstadion oder ausgelassen wie auf einer Feier. Doch der Geist hat gerade keine weltliche Natur. Wer den Geist durch Gottes Wort empfängt, handelt wie Jesus: Die Zöllner, Ehebrecher und Aussätzigen mit an den Tisch holen. Der Geist gibt dem Menschen eine neue Natur: Der Mensch lässt sich anrühren von Gott und den Herzen der anderen Menschen. Somit kann man Pfingsten nicht nur als Geburtstag der Kirche begreifen, sondern auch als Jahrestag der Neugeburt im Heiligen Geist.

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