Der Begriff des Opfers: ein kleiner Abriss

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Betrachtung zum Monatsspruch Oktober 2014

 

Um einen hölzernen Altar sind Körbe mit Obst und Gemüse verteilt, außerdem Kürbisse und Ksrtoffelsäcke.

Eine Form des Opfers: der Erntedank-Altar in der Neustädter Kirche in Erlangen im Jahr 2012.

„Du Opfer“ ist in der Jugendsprache eine Redewendung, um jemanden als hilflos und schwach zu bezeichnen. Manchmal kann ein Opfer aber auch positiv sein: „Ein Opfer bringen“ oder sich „aufzuopfern“ bedeutet, viel für Andere zu tun und sich dabei selbst fast zu vergessen. Was weniger bekannt ist: Auch die Bibel kennt den Begriff des Opfers. Im Monatsspruch Oktober heißt es: „Ehre Gott mit deinen Opfern gern und reichlich, gib deine Erstlingsgaben, ohne zu geizen.“ (Jesus Sirach 35,10). Der Opferkult in der Bibel geht auf eine Aufforderung im Zweiten Buch Moses (13,15) zurück, nämlich Gott nicht mit leeren Händen gegenüberzutreten. Welches Opfer hat Jesus Sirach im Sinne?

Das Opfer in der Bibel

Das Buch Jesus Sirach, um 190 bis 170 vor Christus verfasst, gehört zur Weisheitsliteratur, die auch in den bekannten Talmud des Judentums einging. Jesus Sirach meint wörtlich Erstlingsopfer. Ein Erstlingsopfer ist immer das Erste, zum Beispiel einer Ernte oder im Extremfall auch das erstgeborene Kind. Ein Opfer soll zeigen, wie der Mensch sein Leben als Gabe Gottes sieht: Die Opferung erinnert den Menschen an seinen Schöpfer, der ihm das Leben geschenkt hat. Doch Propheten wie Jesaja warfen den Praktikern des Opfers dessen Unwirksamkeit vor, vgl. Jesaja 1,10-20. Daher gilt es, das Opfer anders zu definieren. Ein Opfer von heute ist es, über Schwächen des Anderen hinwegsehen zu können. Der Geiz von heute ist Zögern und Berechnen des eigenen Vorteils. Das reichliche Säen ist Barmherzigkeit, die mich zum Leben hin milde macht, auf andere ausstrahlt und auf mich zurückstrahlt, gerade dann, wenn ich es nicht erwarte.

Ein Kaplan hat auf einer Hochzeit gesagt: „Der Mensch ist nicht göttlich, aber er ist wie ein Edelstein, durch den das Göttliche bunt ausstrahlt.“ Besonders bunt ist der Edelstein, wenn des Menschen Hände Gutes tun, also ein Opfer bringen.

Ursprünglich erschienen in:  In: Monatsgruß. Zeitschrift für die evangelisch–lutherischen Kirchengemeinden in Fürth. Lokalteil Christuskirche 59 (Oktober), S. 6.

 

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