Wem gehört dein Herz?

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Die Frage nach der Nachfolge im Reich Gottes

Nur wenige Zeilen hat der Predigttext am 15. Sonntag nach Trinitatis, doch sie haben es in sich: Das, was Sicherheit gibt — den Arbeitsplatz, das Haus, die Familie — soll man zurücklassen, um Jesus im Reich Gottes nachzufolgen. Pfarrerin Franzsika Pannewick sagte in der Boxdorfer (Nürnberg) Kirche Zum Guten Hirten: Jesus nachfolgen, das bedeute ein Wagnis einzugehen.

Wenn Wildgänse einander folgen, hilft ihnen ihr tierischer Instinkt. Jesus nachzufolgen braucht eine bewusste Entscheidung.


Ist die Nachfolge nur als Metapher zu verstehen? So etwa wie der Satz: „Neu geboren werden in Christus“ (Johannes 3,3)? Nimmt man das 18. Kapitel bei Lukas hinzu, zeigen sich zwei weitere Tendenzen:

  1. Es kommt darauf an, woran man das Herz hängt. Wenn das, was Sicherheit zu geben scheint, absolut wird, folgt man im Grunde nicht Jesus nach, sondern dem, was vermeintliche Sicherheit gibt. „Wie schwer kommen die Reichen in das Reich Gottes!“ (Lukas 18,24)
  2. Was der Mensch vielleicht nur in Ansätzen beginnen kann, kann Gott vollenden: „Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich (Lukas 18,27)

Nachfolge: ein vielfacher Lohn

„Er aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Es ist niemand, der Haus oder Frau oder Brüder oder Eltern oder Kinder verlässt um des Reiches Gottes willen, der es nicht vielfach wieder empfange in dieser Zeit und in der kommenden Welt das ewige Leben. (Lukas 18,29f.)

Jesus prophezeit: Der Lohn der Nachfolge sei ein Vielfaches, zuerst auf der Erde, und dann im Himmel. „Es ist möglich, mit Verunsicherung zu leben“, ergänzte Pfarrerin Pannewick. Sie verwies auf den Liederdichter Paul Gerhardt und Pfarrer Dietrich Bonhoeffer. Beide Männer hatten ihre sichere Position aufgegeben, um eine Gewissensentscheidung zu treffen. Nicht im Glauben zu konvertieren bzw. gegen die Nationalsozialisten Widerstand zu leisten.

Vertrauen und Zweifel

Somit ist das Leben ein Tanz zwischen tiefer Geborgenheit im Glauben und tiefer Unsicherheit in Glaubenszweifeln. Auch wenn Martin Luther zwischen der irdischen Welt und Gottes Reich eine Trennung sah, entwickelten andere Reformatoren diese Zwei-Reiche-Lehre weiter und kamen zu dem Schluss: Die Aufgabe der Christen ist es, die Welt so zu gestalten, dass sie immer mehr denm Reich Gottes entspreche — ohne Gewalt, aber mit der Kraft des Wortes.

Der Kirchenraum Zum Guten Hirten am 24. September 2017.

Link zum Predigttext Lukas 18,28-30.

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