Seine Endlichkeit begreifen

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Ein Kommentar über die Leistungsgesellschaft

 

Ein schwarzer Mann mit Koffer, der auf dem Rücken einen Schlüssel wie der einer Spieluhr hat.

Leistungsdruck — zieht der den Menschen wie eine Spieluhr auf? Bild: ©  creatiffiti / Fotolia

Haben Sie kurz Zeit, schnell diesen Artikel zu lesen? Die Hektik der Gesellschaft schlägt sich schon in der Sprache nieder. Die Leistungsgesellschaft fordert bessere Arbeit mit weniger Arbeitskräften in kürzerer Zeit. So ist es kein Wunder, dass nicht erst in der Grundschule Kinder anfangen, den Druck zu spüren.

Immer mehr leisten zu wollen, kann zur Sucht werden. Der Glaube an ein besseres Leben durch Leistung ist ein Aberglaube, denn meist profitieren diejenigen, die sowieso schon sehr reich sind. Die eigenen Bedürfnisse sind die eigenen Grenzen. Entspannung wie Kurzmeditationen sind Mittel zum Zweck, schnell wieder arbeiten zu können. Wie lange wird der Körper sich betrügen lassen?


Anselm Grün betreut als Theologe und Psychologe viele seelisch Erkrankte und schreibt: „Menschen, die nicht lernen zu verzichten, sind unfähig, ein starkes Ich zu entwickeln.“ Denn Verzicht sorgt dafür, Grenzen zu erkennen und sich seiner selbst bewusst zu werden, mit Stärken – aber auch mit Schwächen.

Ob die Erde mit ihren Ressourcen oder die eigene Konzentrationsfähigkeit: Alles ist endlich – Windhauch. Wann es ein wirkliches Umdenken geben wird? Die Sehnsucht jedes Menschen kann nicht in der Sucht nach äußeren Dingen gestillt werden. Nein, es braucht Tiefe. Auch die Bibel kennt grenzenlose Menschen: Der reiche Kornbauer in Lukas 12 plante eine Vorratshaltung über Jahre hinaus, um dann später in Sicherheit und Ruhe leben zu können. Was er nicht bedachte, war seine eigene Endlichkeit und der Verlust aller gehorteten Schätze. Augenblicke wie Kinderlachen, der Sonnenschein oder eine liebevolle Umarmung sind wertvolle Dinge und kosten nichts.

Literaturhinweis

Anselm Grün / Romona Robben (2008): Grenzen setzen — Grenzen achten. Damit Beziehungen gelingen — Spirituelle Impulse. Freiburg im Breisgau: Herder. S. 69-77. hier: S. 73.

 

 

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