Trinken nach einer Durststrecke

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Gedanken zur Jahreslosung 2018

Bild: Stefanie Bahlinger, Mössingen, Verlag am Birnbach

Manchmal hat Trinken einen beiläufigen Charakter: Das Feierabend-Bier mit Kollegen ist soziales Kitt. Doch manchmal trinkt man Mineralwasser und schmeckt, wie herrlich es den eigenen Durst stillt — sei es nach dem Sport, nach einem langem Kinofilm oder nach einer Wanderung. Doch bekanntlich lebt der Mensch nicht vom Brot alleine. Wenn Gott zu trinken gibt, ist er ein ganzheitlicher Verkoster: „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ (Offenbarung 21,6), so heißt die Jahreslosung 2018.

Das Wasser, von dem die Rede ist, hat einen symbolischen Wert: Jesus benutzt es zur Taufe, in der es als innere Reinigung zu verstehen ist. Am Abend vor seiner Kreuzigung wäscht Jesus Petrus die Füße, aber meint den ganzen Menschen: „Spricht Jesus zu ihm [Petrus]: Wer gewaschen ist, bedarf nichts, als dass ihm die Füße gewaschen werden; er ist vielmehr ganz rein. Und ihr seid rein, aber nicht alle.“ (Johannes 13,10).

Wasser ist Leben

Die zweite Bedeutung des Wassers ist Wasser als das absolut Lebensnotwendige. Gott lässt hoffen. Die Offenbarung des Johannes, woraus die Jahreslosung stammt, ist voller Bilder aus einer anderen Welt: Lämmer grasen neben Löwen. Die andere Welt verstehe ich als Leben nach dem Tod. Wenn Gott zu trinken gibt, dann ist es nicht einfach so als würde man Mineralwasser bekommen. Das lebendige Wasser ist Spender neuen Lebens: „Sie [eine große Schar aus allen Völkern] werden nicht mehr hungern noch dürsten; es wird auch nicht auf ihnen lasten die Sonne oder irgendeine Hitze; denn das Lamm mitten auf dem Thron wird sie weiden und leiten zu den Quellen lebendigen Wassers, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.“ (Offenbarung 7,16f.). Weil die irdische Welt faktisch von Leiden, Durst und Not gekennzeichnet ist, kann es nicht diese Welt sein, die gemeint ist. Vor dem Statthalter Pilatus sagt Jesus: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ (Johannes 18,36)

Vertrauen während einer Durststrecke

Jesus schenkt lebendiges Wasser denjenigen, der durstig ist und verlangt dafür nichts. Aber Gott kann man nicht wie einen Wasserhahn aufdrehen. Die Kunst zu leben, ist es während einer Durststrecke darauf zu vertrauen, zur Quelle des Lebens weiter unterwegs zu sein, auch wenn sie vielleicht nur noch schwach in der Hitze flimmert. Vertrauen finden, wieder aufzustehen und an sich glauben.

Bild: © Dieter Schütz / pixelio.de

Eine kleine Analogie zur Verdeutlichung: Im April 2013 hatte ich angefangen, Englischkurse an der Universität zu belegen. Zunächst war ich enttäuscht, da ich auf Level 1 eingestuft wurde. Hinzu kam, dass ich zwei Kurse wiederholte. Doch im September 2016 schließlich, also drei Jahre später, legte ich die größtmögliche Prüfung ab: die UNIcert III. Für mich zeigt dieses Beispiel: Manchmal bekommt man kleine Flaschen lebendigen Wasser, sodass man weitergehen kann, aber manchmal kann man auch eine Oase erreichen, in der man rasten und freudig durchatmen kann.

Um wie viel mehr wird das lebendige Wasser sein, welches der Trank zum ewigen Leben ist?

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