Auf seine Gefühle hören: Gedanken zur Jahreslosung 2016

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„Lass dich drücken“ – dieser Satz und eine Umarmung tun gut. Manchmal braucht man Trost. Wer getröstet wird, nimmt Hilfe an und erkennt ein eigenes Bedürfnis. Wer tröstet, wendet sich konkret einem anderen Menschen zu: Er spürt, er tastet ihn oder sie so nahe, wie man mit Worten nie jemandem kommen könnte.

Der Trost ist oft mit dem Mütterlichen verbunden – das Alte Testament hat durchaus weibliche Vergleiche für Gott. Einer ist die Jahreslosung 2016:

Bild: Dieter Schütz/pixelio.de

Bild: © Dieter Schütz/pixelio.de

„Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ (Jesaja 66,13). Liest man aber im Kapitel weiter, schreckt man auf: Es wird von Feuer gesprochen, das die Erde richten soll (Vers 16) und dann wieder neu aufbauen (Vers 22). Diese Figur taucht im Neuen Testament wieder auf – besonders in der Offenbarung des Johannes. Vielleicht sind die Verse als symbolisch ausgedrückte Warnung zu verstehen.

Freilich, das Trösten kann umkippen, wenn der Tröster nämlich zum überlegenen Helfer wird und den zu Tröstenden emotional erpresst. Sätze wie „Was wärst du bloß ohne mich …“ werden dann zur Schlinge, die man rechtzeitig durchschneiden sollte. Die liebende Mutter muss loslassen und der Getröstete auch.

Das Trösten steht für einen größeren Zusammenhang und kann das Jahr 2016 unter das Vorzeichen stellen, mehr auf eigene Gefühle, Bedürfnisse und Intuitionen zu achten. Bevor mir alles „über den Kopf steigt“, ich mich zu oft „gestresst fühle“ oder mir „zu viel Druck mache“, kann ich erst einmal in mich selbst hineinhören: Wo genau spüre ich ein drückendes Gefühl? Habe ich Angst, Trauer oder Enttäuschung in mir? Denn gewissermaßen kann ich dem anderen meine Gefühle auch mitteilen, um Verständnis zu bekommen.

Ich will wissen, was du brauchst, ist ein Leitsatz der Gewaltfreien Kommunikation nach Rosenberg. Probieren Sie es doch einfach mal aus.

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