Gottesfurcht als Befreiung

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Pfarrer Dr. Florian Höhne geht auf vier Entdeckungsreisen

Nicht bei jedem Bibeltext stellt sich ein warmes Gefühl ein und man sagt „Ja und Amen“. Auf der Fürther Hardhöhe hat Pfarrer Dr. Florian Höhne sich in der Heilig-Geist-Kirche mit dem 1. Petrusbrief beschäftigt und dabei die Gemeinde auf eine verteilige Entdeckungsreise mitgenommen. Es zeigt sich: Liebe und Gottesfurcht ergänzen sich.

Dr. Florian Höhne geht auf eine vierteilige Entdeckungsreise — hier symbolisch dargestellt durch Die Siedler von Catan.

1. Gott ist nicht gleichgültig

Zieht euch warm an! Seid auf der Hut! Seid unterscheidbar! Seid Heilige!

Mit diesen Imperativen übersetzt Florian Höhne den heute sperrig wirkenden Text aus dem Petrusbrief. Für ihn sind es „knallharte Belehrungen“. Auf seiner ersten Reise nimmt Höhne die Gemeinde in eine Schulklasse mit: Oliver stört den Unterricht, indem er nasse Papierkugeln an die Decke schießt, die dann abermals auffallen, wenn sie getrocknet herunterfallen. Der Religionslehrer platzt der Kragen: „Oliver, jetzt langt es, du schreibst die Seite 56 aus dem Religionsbuch ab.“ — Oliver ist keck: „Wir haben doch gerade von der Liebe geredet. Müssten Sie jetzt nicht auch zu mir barmherzig sein? Eigentlich dürfen Sie mir keine Strafe geben.“ Der Religionslehrer kommt in einen Zwiespalt: Einerseits freut er sich über das aufmerksame Zuhören von Oliver, andererseits hat er trotzdem den Unterricht gestört.

Wenn Petrus auffordert, sich nicht den Begierden hinzugeben, dann gibt es für Gott eine Unterscheidung: Manche Handlungen des Menschen wecken Freude, andere Zorn. Aus Gottes Liebe zu den Menschen folgt nicht, dass alles egal ist. Gott lässt es nicht kalt, wenn der Mensch böse handelt.

2. Nur Gott fürchten

Der Alltag bietet immer wieder kleinere und größere Ängste: Ist heute schon wieder eine Rechnung im Briefkasten, obwohl das Konto schon im roten Bereich ist? Wird die Chefin mich heute wieder bloß tadeln? Wenn ich heute in die Schule gehe, werden die anderen dann wieder über mich lachen?

Gottesfurcht ist gleichsam eine Befreiung: Du brauchst nichts zu fürchten als Gott allein. Diese Gottesfurcht ist in den Glauben gehüllt, Gott meint es unendlich gut mit uns. Gottesfurcht ist also auch Vertrauen, Dankbarkeit und Respekt gegenüber Gott.

Der Altarraum und die Osterkerze in der Fürhter Heilig Geist Kirche.

3. Christen sind Ausländer

Wer einmal ein Nahtoderlebnis durchlaufen hat, fühlt in seiner Seele eine unendliche Sehnsucht nach dem Göttlichen. „Wir sind alle Ausländer“, stellt Höhne fest. Für Juristen mag es eine Staatsbürgerschaft geben, für Patrioten einen Vaterlandsstolz, aber Christen haben ihre unvergängliche Wohnstätte erst bei Gott selbst. Insofern ist Vertrautheit in der Welt gleichsam Fremdheit. Die physikalische Wohnung bietet keinen dauerhaften Schutz.

4. Der Mensch ist unendlich wertvoll

Was ist der Mensch wert? Diese Frage wirkt unmoralisch, aber Lebensversicherungen und Gerichte beispielsweise berechnen einen Wert für einen Menschen. Eine Lebensversicherung bedeutet einen Betrag nach dem Tod, ein Mord ist gewichtiger als fahrlässige Tötung, also indirekt auch eine Wertberechnung. Weil Gott seinen einzigen Sohn (das Blut Christi) herschenkte, sind Menschen für Gott unendlich wert.

Christlicher Glaube ist eine Reise

Alles in allem sind diese vier Entdeckungsreisen eine Lebensreise im Glauben. Es geht auf- und abwärts, manchmal ist der Untergrund glatt, manchmal steinig. Das Abendmahl ist Wegzehrung, Liebe und Rat von Gott und anderen Menschen gehören auch dazu. Somit wird aus den Ermahnungen Petri ein Fundament des Glaubens.

Link zum Predigttext.

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