Dankbarkeit und Ehrfurcht

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Betrachtung zum Monatsspruch Juni 2016

 

Ein starkes Seil reißt nicht so schnell -- doch woher zieht der Mensch seine Stärke? Bild: Rainer Sturm / pixelio.de

Ein starkes Seil reißt nicht so schnell — doch woher zieht der Mensch seine Stärke? Bild: ©  Rainer Sturm / pixelio.de

„Du sollst dein Licht nicht unter den Scheffel stellen“; „Hochmut kommt vor dem Fall“ – diese zwei Sprichwörter befinden sich zwischen zwei Extremen, nämlich sich zu wenig zuzutrauen oder vor Arroganz abzuheben. Im Monatsspruch Juni ist von Stärke die Rede, die der Mensch jedoch nicht aus sich selbst heraus zieht,

sondern in Gott findet. „Meine Stärke und mein Lied ist der Herr, er ist für mich zum Retter geworden.“ (2. Mose 15,2). Dieses Lied Moses ist eine Antwort auf Gottes Handeln. Gott hat die ägyptischen Soldaten im Meer ertrinken lassen, so erzählt die Bibel. Aber die Israeliten sind nicht nur dankbar, sondern haben Ehrfurcht vor Gott: „Als Israel sah, dass der Herr mit mächtiger Hand an den Ägyptern gehandelt hatte, fürchtete das Volk den Herrn. Sie glaubten an den Herrn und an Mose, seinen Knecht.“ (2. Mose 14,31).

Sich auf jemanden einlassen, ohne sich anzubiedern

Dankbarkeit und Ehrfurcht skizzieren einen Mittelweg. Pfarrer Volker Zuber aus St. Michael in Fürth predigte bei seiner Verabschiedung: Ich sehe im anderen das Schöne und lasse mich neugierig auf ihn oder sie ein, aber ich biedere mich nicht an, sondern lebe mein Leben. Das zweite Buch Mose hat auch den Namen Exodus, also Auszug bzw. Ausgang. Diesen Ausgang verstehe ich in einem übertragenen Sinne: Ich lasse Feindbilder los. Eine göttliche Stimme in mir hilft dabei, aus Abhängigkeit zu entfliehen. Ich darf Hilfe annehmen. So ist Gottes Stärke, die in den Menschen wirkt, gewissermaßen auch eine Umkehr. Ich lasse die Muster in mir zurück, die mir nicht guttun. Umgekehrt kann die Ehrfurcht vor Gott als eigene Grenze verstanden werden: Es liegt nicht alles in meiner Macht.

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