Gläserne Gedanken

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#WritingFriday #13

„T, t, t … was die sich wieder einbildet. Ist total übergewichtig mit ihren 1,5 Litern und dann auch noch Einweg. Also im Grunde eine Eintagsfliege. Aber sie knistert und knarzt mit ihrer dünnen Haut — ich dagegen bin von Dauer. Aus Glas. Ich habe 50 Leben. Aber leider bin ich zu gewichtig. Ich habe schon überlegt, ob ich rübergehe zum Bier, weil das scheint noch die letzte Glashochburg zu sein. Aber Mineralwasser aus Mehrweg-Glasflaschen, das ist ja nur noch was für 5-Sterne-Hotels oder ein Feinschmecker-Restaurant.

Ich habe vorhin von Saftflaschen gehört, dass nun die Einweger neue Wohnungen beziehen dürfen, also sie bekommen auch Kästen. Absurd! Die Menschen meinen dann: Ach ja, Pfandflaschen — überhaupt — es wird nicht mehr unterschieden. Allein, dass man Pfand zahlt, damit hat jeder seine Güte. Ich mit meinen acht Cent kann froh sein, wenn mich mal jemand abgibt. Aber 30 Cent! Sie hat eine so schlechte Haut, sie ist laut, aber sie zieht das große Los.

Überhaupt, ich hab ja nicht mal mehr Licht, kaum, dass ich noch die Schilder der Nachbarn lesen kann. Und gestern erst, da kam so ’ne Frau und zog mich dauernd rein und raus, das geht ja auf keine Glashaut. Ich meine, ich habe eines der schönsten Brauerei-Logos und ich bin so geheimnisvoll Grün, ich verstehe das nicht. Und wenn meine Brüder mal schon weg sind, nimmt doch dieser Aushilfe-Mann mich einfach und steckt mich in einen anderen Kasten und stellt volle Kästen auf meine Wohnung. Mann, ich brauche auch mal Sauerstoff — wie lange können Sie Ihre Wohnung ungelüftet lassen? Aber jetzt, da diese schöne Frau im Abendkleid, die hat bestimmt Niveau. Aber sie hat ja schon Wein …“

„Weinschorle, das ist es!“, rief die Frau und packte die schönste der grünen Wasserflaschen.

Diese Rede ist ein Beitrag zur Aufgabe Beschreibe einen Tag im Leben einer Plastikflasche. Weitere Beiträge auf dem Blog read books in fall in love.

11 Kommentare

    • Sebastian Nachdenker

      Lieben Dank, Garbriela, das freut mich 🙂 .
      Wünsche dir ein schöne Wochenende.

      Viele Grüße
      Sebastian

    • Sebastian Nachdenker

      Danke! Ja, manchmal fließt die Kreativität ein wenig von der Aufgabenstellung weg 😉

  1. Lieber Sebastian,
    ich freue mich sehr, dass du am Schluss doch noch umgeschwenkt hast!
    Auch ich finde es klasse, dass du über die Plastikflache aus dem Blickwinkel der Glasflasche geschrieben hast. Genau das macht die Kreativität des #WritingFriday aus! 🙂

    Bei mir gibt´s heute HIER einen Nachruf.
    GlG, monerl

    • Sebastian Nachdenker

      Liebe Monerl,
      danke für die Rückmeldung 🙂 .
      Liebe Grüße zurück
      Sebastian

  2. Hey Sebastian,
    „das geht auf keine Glashaut“ ist super. Sehr unterhaltsamer und lustiger Text!
    Grüße, Katharina.

  3. Hallo Sebastian,

    ist ja klasse, dass du das Thema ähnlich angegangen bist wie ich, nur aus der Sicht von einer Glasflasche berichtest. Hat mir sehr gefallen 🙂
    Ich bevorzuge übrigens immer Glasflaschen, weil ich finde, dass das Gesöff aus den Plastikflaschen viel zu schnell abgestanden schmeckt. Und Plastik geht mir auf die Nerven 😀

    Hab einen schönen Tag!
    Liebe Grüße,
    Gina

    • Sebastian Nachdenker

      Hallo Gina,

      vielen Dank. Die Geschwisterlichkeit in den Gedanken freut mich 😊.

      Dir auch einen schönen Tag.

      Liebe Grüße zurück
      Sebastian

  4. Lieber Sebastian,
    ich musste bei deinem Beitrag echt lachen, weil er mir so gut gefiel! Vor allem die Stelle „Ich habe vorhin von Saftflaschen gehört…“ irgendwie recht zweideutig, wie ich finde. 🤣
    Danke für diesen amüsanten Beitrag, der definitiv vom Alltag einer Plastikflasche erzählt. 🤣
    Liebste Grüße
    Lisa

    • Sebastian Nachdenker

      Liebe Lisa,
      dankeee, stimmt, Saftflaschen 😂😁.
      Liebe Grüße zurück
      Sebastian

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