Die Gestalten des Bösen

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Wie Jesus Heil und Heilung bringt

Als Pfarrer im Ruhestand Volker Zuber am 22. Oktober 2017 an das Ambo der Fürther Michaeliskirche trat, erwartete die Gemeinde ein großer Wurf: Es geht den Experten für Weltanschauungen darum zu erklären, wie das Böse sich damals und heute manifestiert und was Jesus dagegensetzt. Am 19. Sonntag nach Trinitatis war der Predigttext Markus 1,32-39.

Mit Dunkelheit wird Böses assoziiert, während Christus sich selbst als „Licht der Welt“ (Johannes 8,12) bezeichnete.

Im Predigttext wird erzählt, wie Jesus vielen Menschen half, indem er ihre bösen Geister, ihre Dämonen, austrieb. Dann reiste er aber weiter, um an anderen Orten das Evangelium zu predigen. Volker Zuber setzte sich zunächst von zwei Interpretationen ab:

  1. Dem Text liegt ein anderes Weltbild zugrunde, heute gibt es keine Dämonen mehr
  2. Jesu Macht kann bis heute in die unsichtbare Welt eindringen, daher sind Praktiken wie Exorzismus weiterhin sinnvoll.

Freilich, Jesus war ein Mensch seiner Zeit. In der Bibel wirke jedoch der Heilige Geist, was die Aussagen zeitlos mache, so Volker Zuber.

Jesu Verhalten zeigt Liebe

Sieht man den Text ganz pragmatisch, zeigt sich: Jesus macht Menschen gesund und dann zieht er sich zum Beten zurück. Jesus möchte für die Menschen „Heil und Heilung“, betonte Pfarrer Zuber. Seine Heilung ist wie ein Schlussstrich unter seinem Evangelium: Den Worten der Liebe folgen Taten der Liebe. Gewissermaßen kann man Jesus als „Diplomaten des Himmels“ bezeichnen. Weil sich die himmlische Welt unserer Wahrnehmung entzieht, geht Jesus auf die Erde und wird so zum Berührungspunkt mit Gott.

Der Chor mit Altar und Kanzel in St. Michael am 15. Oktober 2017.

Der Turm von St. Michael im herbstlichen Sonnenlicht am 15. Oktober 2017.

Das Dämonische in der Welt

Trotz hoher Mengen an Faktenwissen stößt die Naturwissenschaft auch heute an Grenzgebiete, die sie nicht erklären kann. Es gibt wohl in der Welt geistige Kräfte, die sowohl Gutes als auch Böses bewirken — dabei sind die Bezeichnungen zweitrangig. Was im frühen Christentum ein Dämon war, ist vielleicht heute ein Soziopath. Das Böse zeigt sich in Zuständen wie Hass, Neid und Nicht-vergeben-Wollen. All jenes ist der Liebe und der Dankbarkeit entgegengesetzt.

Hass kann Menschen besessen machen, krank machen. Auch auf der politischen Bühne gibt es dämonische Kräfte: Viele Staaten geben mehr Geld für Waffen als für Gesundheit aus. Geldgier, Gleichgüligkeit, Geiz und Verlogenheit sind bis heute Kräfte in aktuellen, gespenstischen Geschichten, so Zuber. Würde man das Böse leugnen, hätte man kaum Möglichkeiten, die schlimmsten Verbrechen wie den Holocaust zu erklären.

Die Liebe, das setzt Jesus dem Bösen entgegen: Die Achtung der Mitmenschen und die Achtung Gottes. „Jesus will in uns dunkle Geister nehmen, auch heute, hier und jetzt“, damit wir zu Freude und Gelassenheit kommen, so schloss Pfarrer Volker Zuber seine Predigt.

Link zum Predigttext Markus 1,32-39.

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