Freunde in der Not gehen 1000 auf ein Lot

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Einsamkeit in der Bibel

Aktualisiert am 15. Oktober 2017

Das Sprichtwort in der Überschrift drückt aus: Freunde in der Not werden leichtgewichtig. Seit 1856 entsprach die Einheit Loth etwa 16,7 Kilogramm. Jeder kann sich ausrechnen, wie windigleicht dann jeder einzelne Freund bzw. jede einzelne Freundin wird, wenn sich 1000 auf 16,7 Kilogramm aufteilen. Auch in der Bibel finden sich das Phänomen der Einsamkeit während der Not:

Christus am Ölberg. Bild: Giovanni Bellini / National Gallery, London bereitgestellt unter freier Lizenz durch http://www.malerei-meisterwerke.de

Jesus betet in der Nacht vor seiner Hinrichtung auf dem Ölberg (Gethsemane). Weil er Angst hat, bittet er ein paar seiner engsten Freunde mit ihm zu kommen: Petrus und zwei Söhne des Zebedäus. Doch trotz dreimaliger Mahnungen schlafen die Jünger immer wieder ein. Bis heute ist dieses Bild des Wach Bleiben Wollen für Gott präsent, zum Beispiel in dem Taizé-Lied „Bleibet hier“.

Die Todesangstbasilika bzw. Kirche aller Nationen auf dem Ölberg in Jerusalem. Bild: Berthold Werner / Wikimedia

Das Ereignis am Ölberg zeigt: Jesus fühlte sich einsam, obwohl drei seiner Freunde bei ihm waren, doch weil sie schlafen und nicht Wache hielten, litt er Todesangst. Nähe hängt demnach mit Vertrauen zusammen, mit dem Gefühl sicher zu sein, besonders im Angesicht des Todes.

Bibeltext: Matthäus 26,36-46.

Die eigenen Werte als Mauer

Eine andere Form der Einsamkeit zeigt sich, wenn Werte auseinandergehen. Ein reicher Mann (ein Oberer) fragte Jesus nach dem guten Leben. Zunächst schien alles fröhlich: Jesus nannte ihn einige der zehn Gebote und der reiche Mann bestätigt eifrig, all das würde er tun.

Zunächst sieht es gut aus: Der Reiche hält alle Gebote ein.

Es fällt wohl nicht zu schwer, einer Bettlerin einen Euro in den Becher zu werfen, doch die Forderung, allen Reichtum zu spenden, fällt ungleich schwerer. Bild: © Karl Allen Lugmayer / Fotolia.com

Aber dann gabelte sich der Weg auf: Jesus forderte ihn auf, sein Reichtum an die Armen zu geben und damit frei zu werden, Jesus nachzufolgen. „Als er das hörte, wurde er traurig; denn er war sehr reich“ (Lukas 18,23). Pfarrerin Dr. Stefanie Schardien hat am 15. Oktober 2017 in der Fürther Michaeliskirche den Fall mit einer To-do-Liste verglichen: Der Reiche setzt innerlich einen Haken und ist begiert darauf, was er noch tun soll. Doch seinen Reichtum verschenken und Jesus nachfolgen, das kann er nicht tun.

Dr. Schardien betonte: Jesus meint mit der bermühten Analogie „Es ist leichter für ein Kamel durch ein Nadelöhr zu kommen als dass ein Reicher in den Himmel kommt“ (Lukas 18,25) kein Verbot, sondern einfach etwas, was nicht sein kann — so wie ein Kleidungsstück einfach aus physischen Gründen zu groß oder zu klein sein kann. Wer sein Herz an Erfolgsstreben, Reichtum oder Sorge hängt, wird ab-hängig. Daher ist das Credo: Was einen zurückhält von Gott, zurückzulassen. In der Geschichte wird eine Fortsetzung für den Reichen zumindest angedeutet: „Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.“ (Lukas 18,27)

Bibeltexte Lukas 18,18-27, Markus 17,17-27

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