Fürchtet euch nicht

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Wie aus Einsamkeit und Angst stabile Beziehungen werden können

Es ist ein Unterschied, ob man die Sprache der Angst oder die Sprache der Liebe spricht. Wie gewinnt man Mut für das Leben zurück? Wie kann man durch neue Ausstrahlung Einsamkeit überwinden?

Es braucht manchmal Mut, es sich mit sich alleine auszuhalten. Bild: © grafxart / Fotolia.com

Wer Angst hat, hat auch Angst, in Zukunft wieder Angst zu haben. Ein Schutzmechanismus kann dazu führen, nicht nur Angst zu vermeiden, sondern gegenüber allen Gefühlen stumpfer zu werden. Angst will Menschen vor Gefahren schützen, doch manchmal erinnern wir uns nur an Angst so heftig, als ob wir in dem selben Moment das Gefühl empfinden würden. In Folge dessen gibt es Fehlalarme — es brennt gar nicht, aber man hat den Eindruck, in Gefahr zu sein. Eine der größten Ängste hängt damit zusammen, verletzt zu werden oder gar zu sterben.

Gelassenheit am Lebensende?

Epikur, ein Philosoph der Antike, hat schlicht gesagt: „Denn alles Gute und Schlimme beruht auf der Wahrnehmung. Der Tod aber ist der Verlust der Wahrnehmung.“ Die Folge ist klar: Der Tod „geht uns nichts an“, wie Epikur weiterschreibt. Es gibt Jahre im Leben, in denen man quasi seinen eigenen Tod verwegnimmt, weil man Angst hat, es könnte etwas Schlimmes passieren und sich deshalb einen kleinen Handlungsspielraum gibt. Doch aus dem Bewusstsein zu sterben, kann man auch den Augenblick umso mehr schätzen : „Jeder Augenblick ist ewig, wenn du ihn zu nehmen weißt“ , hat der Kostantin Wecker, Liedermacher, gedichtet.

Ängstliche Bindungen?

Eine übermäßige Angst wirkt sich auch auf Beziehungen zu Menschen aus. In der Angst fehlt der Blick für das Tempo der Freundschaften und der Liebe. Die Angst übermannt und man wünscht sich insgeheim, jemand von außen könnte sie einen nehmen. Doch das führt häufig zu instabilen Beziehungen, die sich zum Beispiel im Klammern oder in Eifersucht zeigen. Wie das untere Schaubild zeigt: Bei einer angenehmen Begegung treffen sich zwei in der Mitte. Wenn das Tempo nicht passt, dann geht einer übermäßig auf dem anderen zu, oder der oder die andere flüchtet sogar.

Daher finde ich das an Platon angelehnte Bild aus dem so genannten Kugelmensch-Mythos  „Jeder Topf findet seinen Deckel“ auch problematisch: Es zeigt nämlich die Unvollständigkeit im Allein-Sein — doch kann ein anderer Mensch von Außen das, was man im Inneren als Mangel wahrnimmt, auf Dauer füllen? Ich bin eher der Meinung, in der Fülle und eigenen Ausgeglichenheit kommt es viel mehr zu stabilen Beziehungen — und letztlich zum Überwinden der Einsamkeit.

Übungen zur Stärkung des Selbstwertes findet Sie in erstem Artikel dieser Reihe.

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