Reflexionen über kirchliches Ehrenamt

PDF / ePub

Erfahrungen aus Erlangen und Fürth aus über fünf Jahren

 

„Stell dir vor, du drückst [den Feuerwehr-Notruf-Knopf] und alle drücken sich“ — diesem Plakat aus einer Kampagne aus dem Jahr 2011 bin ich in Bayern während meiner Tätigkeit als Journalist immer wieder begegnet, es hing in Nähe von Rathäusern oder an stark befahrenen Straßen. Aber auch generell war bei politischen Reden zum Neujahrsempfang oder zur Verleihung von Bürger-Medaillen immer wieder der Appell im Raum, sich ehrenamtlich in Vereinen zu engagieren. Das Ehrenamt scheint erklärungsbedürftig geworden zu sein. Im Folgenden ein paar Reflexionen und Erfahrungen aus Engagement im kirchlichen Bereich.

feuerwehrmelder

Im Jahr 2011 startete die Feuerwehr eine Kampagne, um Ehrenamtliche zu finden. Bild: LandesFeuerwehrVerband Bayern e.V./PR

Auch in den Zeitungen, für die ich arbeitete, hatten doch gewisse Veranstaltungen von Vereinen quasi einen festen Platz im Blatt, während jüngere Bewegungen aus den Social Media oft außen vor standen. Die Kehrseite der jüngeren Bewegungen ist oft der Wunsch nach Gegenleistungen: Nach dem Motto, ich mähe dir deinen Rasen, und dafür gehst du eine Woche mit meinem Hund spazieren. Nach meiner Wahrnehmung gibt es weniger den echten Freundschaftsdienst. Nora Reinhardt schreibt in der ZEIT: „Je seltener wir einander Gefallen tun, desto nervöser machen sie uns.“ Ehrenamtliches Engagement ist vielleicht eine Bündelung an Gefallen, die man für eine gemeinnützige Sache über einen längeren Zeitraum tut.

Ehrenamtliche Medienarbeit

Ich persönlich engagierte mich von 2010 bis 2016 in der Evangelischen Studierendengemeinde Erlangen und von 2005 bis 2016 in der Fürther Christuskirche. Hier lag ein Schwerpunkt im Bereich der Medien: Schreiben für den Gemeindebrief, fotografieren, bei der Website mithelfen oder über Veranstaltungen berichten. Auch ein wöchentlicher Newsletter gehörte zu den Aufgaben. In den Kategorien Monatsspruch und Theologie und Kirche ist eine Auswahl an Texten zu finden, die ursprünglich im Fürther Monatsgruß erschienen, der Zeitschrift für die evangelisch–lutherischen Kirchengemeinden in Fürth.

ehrenamt2

Eine Betrachtung zur Jahreslosung 2016 aus dem Fürther Monatsgruß. Den vollständigen Artikel gibt es hier nachzulesen.

Für mich war dieses Ehrenamt ein Erprobungsfeld. Ich merkte auch, sobald ich professionell schrieb und fotografierte, war der Schonungs-Raum verlassen. Zum Teil war das Ehrenamt aber auch eine Möglichkeit, sich mit etwas zu beschäftigen, was eine gewisse Überwindung kostete, für mich waren das zum Beispiel die Kindergottesdienste, die ich eine Zeit lang in der Erlanger Altstädter Gemeinde und in der besagten Christuskirche hielt. Denn Kinder zeigen einem relativ natürlich, wie man bei ihnen ankommst.

Brett- und Kartenspiele

Apropos Kinder: In meiner Jugend engagierte ich mich beim Roten Kreuz. Rückblickend würde ich jedoch sagen, der Umgang mit — wenn auch simulierten — Wunden und Leiden war zu viel fürs Gemüt. Was eher passte, war etwa der Arbeitskreis Spieleabend, den ich bei der Studierendengemeinde von Dezember 2012 bis Juli 2016 leitete.

ehrenamt1

Beim Arbeitskreis Spielabend gibt es immer wieder amüsante Momente, hier durch ungewöhnliche Wortpaar-Kombinationen beim Spiel Wie ich die Welt sehe.

Als Fazit würde ich sagen: Für ein Ehrenamt sollte man ganz da sein oder sich lieber überlegen, in welchem anderen Bereich man sich besser engagieren könnte. Wenn man nicht ganz sicher ist, vielleicht mal den Mut haben, etwas zu probieren, um vielleicht an sich etwas kennenzulernen, was für einen selbst neu ist.

Literaturhinweis


Nora Reinhadt (2016): „Freundschaftsdienst. Es ist, als bräche das Wort auseinander: Hier die Freundschaft, dort die Dienste, zwei getrennte Welten“. Die ZEIT. 7/2016. S. 55-56. hier: S. 56.

Dieser Beitrag ist Teil der Blog-Parade Mein Ehrenamt.

Ähnliche Beiträge

  • Sachtexte Sachbuch Kurzgeschichten Gedichte Fotos
  • „Lass dich drücken“ – dieser Satz und eine Umarmung tun gut. Manchmal braucht man Trost. Wer getröstet wird, nimmt Hilfe an und erkennt ein eigenes Bedürfnis. Wer tröstet, wendet sich konkret einem anderen Menschen zu: Er spürt, er tastet ihn oder sie so nahe, wie man mit Worten nie jemandem…
  • Es ist kurz nach 9 Uhr: Eine Gasflamme zischt, in der Luft hängt beißender Zwiebelgeruch und Messer hacken auf Schneidebrettern. Helga Willomitzer weist ihre fünf ehrenamtlichen Helferinnen ein, wie das eingemachte Kalbsfleisch zuzubereiten ist. Sie leitet eine von drei Gruppen, die in der Christuskirche in Fürth-Stadeln „Essen mit Anderen“ anbieten.…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*