Die Freiheit der Gnade empfangen

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Pfarrer Andreas Eckler: Wie Gott sich dem Menschen zuwendet

Sie hat Tränen in den Augen, als der Zug einfährt. Ihr Freund nimmt den Koffer und küsste sie ein letztes Mal. Bevor er in den Zug steigt, dreht er sich nochmals zu ihr um und ruft: „Ich liebe dich“ — „Ich dich auch“, sagt sie und winkt. Abschiedsworte sind wichtig. Auch Jesus verabschiedete sich von seinen Freundinnen und Freunden: „Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe!“ (Johannes 15,9). Gute Abschiedsworte lassen den Menschen im Geiste lange weiterleben. Pfarrer Andreas Eckler brachte am 6. Sonntag der Osterzeit Jesu Gnade als Liebe der Freiheit in der Fürther Kirche Unsere Liebe Frau (ULF) näher.

Gottes Liebe wird den Menschen durch Jesus zuteil. Dabei liegt die Initiative ganz bei Gott. Eckler fand hierfür zwei Vergleiche: „Das Brot kommt zu den Hungernden, nicht umgekehrt; das Licht tritt in die Dunkelheit, nicht umgekehrt.“

Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe. (Johannes 15,14.15)

Pfarrer Eckler sieht im Freund viel mehr als im Knecht. Ein Knecht ist reiner Befehlsempfänger, ein Freund helfe freiwillig. Zudem habe die Knechtschaft viel mit Druck zu tun: „Heute muss ich noch beten.“ — „Herr Pfarrer, machen’S doch net so a lange Predigt“, bringt Eckler als Beispiel und lässt sie in einen Witz enden: „Lange Bratwurst, kurze Predigt“.

Wenn beim Abschied Liebe zurückbleibt, dann ist der Abschied gelungen. Jesus kann mit den Worten, die er zurückließ, die Welt verlassen (Christi Himmelfahrt). Eckler wünscht der Gemeinde, die Freiheit der Liebe zu entdecken und zu entfalten. Es sei etwas Wunderbares, dass Gott trotz seiner Größe sich geradezu auf den Menschen herablässt und Liebe schenkt. Die Bewegung geht von Gott aus, betonte Eckler mehrmals.

Oben: Die katholische Kirche Unsere Liebe Frau (ULF) in Fürth. Unten: Der Altar zur Nacht der Religionen: friedliches Miteinander.

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