Der Löwe in der Bibel

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„Gut gebrüllt, Löwe“, dieser Ausspruch in Anlehnung an ein Zitat aus Shakespeares ‚Sommernachtstraum‘ meint mit Augenzwinkern jemanden, der recht schlagfertig war. Schlafende Löwen nicht zu wecken, meint, etwas zu unterlassen, um eine unerwünschte Reaktion zu vermeiden. Der Löwe wird meistens mit Stärke assoziiert: Wüstenkönig oder König der Tiere, heißt er auch. „Ist der Löwe tot, so rauft ihn auch der Hase beim Bart“, zeigt, dass von einem toten Löwen keine Gefahr mehr droht.

Eine Löwenskulptur im württembergischen Weingarten. Bild: Balcerowski

Eine Löwenskulptur im württembergischen Weingarten.

In der Bibel ist der Löwe meist quicklebendig. Der Prophet Amos vergleicht den Zorn Gottes mit einem brüllenden Löwen. Gleichsam einem Weckruf zur Umkehr, sonst drohe Unheil. Amos hatte um 750 vor Christus mit dem Predigen begonnen. Das war zu einer Zeit, als es den Israeliten wirtschaftlich gut ging, aber manche Gruppen verarmten. Juda, der Sohn Jakobs, wird als junger Löwe symbolisiert: „Wie ein Löwe hat er sich hingestreckt und wie eine Löwin sich gelagert. Wer will ihn aufstören?“ (1. Mose 49,10). Hier ist der Löwe also ein Herrschaftssymbol, das dann auch in späteren Adelswappen zu finden ist.

Doch bei aller Macht: Ein geradezu weihnachtliches Bild findet sich bei Jesaja: „Kühe und Bären werden zusammen weiden, dass ihre Jungen bei einander liegen, und Löwen werden Stroh fressen wie die Rinder.“ Es zeigt: Auch wenn manches weit weg erscheint, ist es doch möglich. Der Löwe, der Stroh frisst, ist eine Friedensvision. Er legt gewissermaßen seine Krone ab und wird wie seine Beute, die er normalerweise fressen würde. „Wer nicht das Unmögliche wagt, wird das Mögliche nie erreichen“, soll Max von Eyth gesagt haben, ein Erfinder und Schriftsteller des 19. Jahrhunderts.

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