Der Adler in der Bibel

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Der Steppenadler auf dem Bild lässt die Flügel hängen. Ist er traurig, weil er angekettet ist und deshalb kaum fliegen kann? Ist er ein Adler mit gestutzter Freiheit? Der angekettete Adler ruft unmerklich Protest hervor, denn bei einem Adler sieht man einen großen Greifvogel mit ausgedehntem Flügelschlag.

Ein Steppenadler im Wildpark Hundshaupten. Bild: Balcerowski

Ein Steppenadler im Wildpark Hundshaupten.

Viel kann man im Bild des Adlers sehen, die Bibel verbindet mit dem Adler Positives: Bei Jesaja 40,3 ist der Flügelschlag des Adlers wie neue Kraft. Im Psalm 103 heißt es: „Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat: der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit, der deinen Mund fröhlich macht und du wieder jung wirst wie ein Adler.“

Der Adler ist manchmal sogar eine Annäherung an ein Bild über Gott selbst. Gott wache über sein Volk Israel wie ein Adler über seine Jungen. Wenn die Jungen fliegen lernen sollen, werden sie einfach aus dem Nest geworfen; falls die Jungen noch nicht selbst fliegen können, fängt der Adler sie auf. „Wie ein Adler ausführt seine Jungen und über ihnen schwebt, so breitete er seine Fittiche aus und nahm ihn und trug ihn auf seinen Flügeln“ (5. Mose 32,11). Gott trägt, er hält Menschen jedoch nicht zu fest, sondern schenkt ihnen auch Freiheit: Die Freiheit, sich auszuprobieren, zu lernen und flügge zu werden.

Was der Mensch nicht ohne Hilfsmittel kann, ist dem Adler von sich aus möglich: fliegen. Vielleicht sagt der Adler, Gott bleibt anders. Das Bild des Adlers zeigt, für Gott sind Dinge möglich, die für den Menschen unmöglich sind. Der Adler ist vielleicht manchmal auch die Entfernung, die man zu Gott spürt. Gott kann man aus dem Blick verlieren, so wie der Adler davonfliegt. Aber kommt nicht jeder Adler an sein Nest zurück, um die Jungen zu füttern?

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