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Betrachtung zum Monatsspruch Oktober 2017

Wenn man in eigenen Erinnerungen schwelgt, so fallen Ihnen wie mir vermutlich mehrere Beispiele ein, bei denen andere vorspielen stark zu sein, prahlen oder lieber mit dem Finger auf andere zeigen. „Ich bin schuld“, einen solchen Satz hörte ich vergleichsweise selten. Die Bibel kennt das Phänomen genauso: der Begriff „Schriftgelehrte“ zeigt an: hier weiß jemand Bescheid und kann deshalb andere belehren. Aber halt: Der Monatsspruch Oktober fordert auf, Buße zu tun: „Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut“ (Lukas 15,10). Buße kommt aus dem Hebräischen und bedeutet „Schub, Umkehr“.

Schiffe und Flugzeuge können die Schubumkehr nutzen, um in die genau entgegengesetze Richtung zu kommen. Auch eine Rangierlokomotive wechselt zwischen vor- und zurückfahren. Bild: © remik44992 / Fotolia.com

Der Monatsspruch Oktober ist in das Gleichnis von den zehn Silbergroschen eingebunden. Die Analogie ist: Wenn von zehn Groschen einer verloren geht, so wird er im Gegensatz zu den neun verbliebenen enorm wichtig. Wer auf Irrwege geht, sich aber von Gott wieder finden lässt, kehrt um und kann sich Gottes Liebe gewiss sein. Im bekannten Gleichnis vom verlorenen Sohn heißt es: „Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein“ (Lukas 15,24). Der verlorene Sohn kehrte reumütig um, und indem er seinen Irrtum einseh, distanzierte er sich gleichsam bereits von dem Irrweg.

Demut bei Nina Ruge und Siegfried Eckert

Betrachtet man den Begriff „Demut“, so sieht man: Dem Mut wird eine Schranke vorgesetzt, das „De“. Auch Nina Ruge, TV-Moderatorin, und Pfarrer Siegfried Eckert beschäftigen sich mit dem Wert der Demut. „Es ist die Demut, die weiß, was es heißt, nicht mir zu gehören“ (Eckert, S. 14). Demut ist eine Warnung vor Selbstüberschätzung. Wer nicht demütig ist, kann schnell über-mütig werden. Die Gefahr von Übermut ist die Maßlosigkeit. Demut dagegen bindet den Menschen an etwas, was mehr ist als nur das eigene Ego: „Nicht ich bin der Maßstab aller Dinge, sondern etwas, das größer ist als ich […] Ein demütiger Mensch begreift sich […] als dienenden Menschen“ (Ruge, S. 228).

Wer sich reumütig zeigen kann, erkennt demütig die eigenen Grenzen und kann Gott um Verzeihung bitten. Bild: © Kaspars Grinvalds / Fotolia.com

Wenn man sich einen demütigen Menschen vorstellt, dann muss er nicht in einer Sinn- und Selbstwertkrise stecken, aber er oder sie reiht sich in eine Gemeinschaft ein, in der es nicht Sitte ist, sich überragen zu wollen: „Die Demut neigt den Blick nach unten und sieht mit dem Herzen nach oben“ (Eckert, S. 38). Im biblischen Sinn hört man nicht auf die eigenen Begehrlichkeiten, sondern auf Gottes Stimme: „Nur wer von sich absieht und auf Gott blickt, kann seiner selbst ansichtig werden“ (Eckert, S. 42).

Literaturhinweise

Siegfried Eckert (2015): Demut. Was uns gelassen werden lässt. Frankfurt am Main: Hansisches Druck- und Verlagshaus.

Nina Ruge (2016): Der unbesiegbare Sommer in uns. Ein Wegweiser zu unserem ureigenen Kraftort. München: Goldmann Verlag.

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