Aus der Gnade zum guten Handeln

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Pfarrer Dr. Florian Höhne über den 1. Petrusbrief

Liest man in der Bibel die Überschrift „Mahnungen an die Gemeinde“, stellen sich bei dem einen oder anderen die Nackenhaare auf, gerade weil die Kirche den Anstrich von Schuld in früheren Jahrhunderten, um es diplomatisch zu sagen, überbetont hat. Die Gnade ist eines der zentralen Begriffe für evangelische Christen. Dr. Florian Höhne legte am 24. Juni 2018 in der Fürther Heilig Geist Kirche den 1. Petrusbrief 3,8-15a aus. Der Zuspruch der Gnade ist dabei der Anstoß, um Gutes zu tun. Das Gute, das man aus der Gnade heraus tut, geht dann auch leicht von der Hand.

Leiden hinterlässt Trümmer. Doch wer in der Gnade lebt, braucht dafür nicht das Haus des anderen vergeltend einreißen.

John Henry Newton junior Bild: Robinhood~commonswiki / Wikimedia, gemeinfrei

Im 18. Jahrhundert lebte in britische Sklavenhändler John Henry Newton junior. Er brachte es zu hohen Ansehen, ihm widerfuhr jedoch 1748 etwas Einschneidendes: Er gerät in Seenot, überlebt sie und dankt Gott. Allmählich wandelt sich sein Leben. Er wird Priester und Vorreiter gegen Sklavenhandel. Aus seiner Feder stammt 1772 Amazing Grace, worin er verarbeitete, wie er Gottes Handeln in der Seenot sah. Wunderbare Gnade widerfuhr im durch Gott, so deutete er das Ereignis.

Petrus legt eine Liste vor, eine Art antiker Katechismus: seid gleich gesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, demütig. Auf dem ersten Blick tue er sich mit der Forderung schwer, sagt Höhne, zumal schon kleine Ereignisse, wie ein Fahrfehler, für ein Ärgergefühl ausreichen. Es ist eigentlich unerträglich, wenn Böses nicht vergolten wird. Wenn neben dem zugefügten Leiden noch die Forderung kommt: „Vergib doch endlich.“ Segen statt fluchen.

Doch eigentlich müsste es heißen: „Vergib, weil dir vergeben ist.“ Gott wendet sich dem Menschen freundlich zu, gerade dem Sünder oder der Sünderin. Jesus gesellte sich unter die Zöllner, Ehebrechenden und wegen Krankheit Ausgestoßenen. Gott lässt aber auch die Herzen wandeln: Paulus legte das Gewand des Christenverfolgers Saulus ab. Eine Gnade, die muss man erst mal aushalten. „Das geht nicht bruchlos“, sagt Höhne. So bedarf es der Auflösung eines Feindbildes oder das Akzeptieren, dass Gnade einfach geschenkt wird, Vergebung wird einfach geschenkt.

Gottes Gnade, das kann ein sicherer, innerer Ort sein. Es ist ein Ort, wo das Schimpfen anderer nur ein beiläufiges Flüstern wird. Ich kann in der Gnade wissen: Ich bin sicher. Das Böse bricht nicht in mein Herz ein. Ich bin geborgen in Gottes Gnade. Gerade aus der Geborgenheit kann ich beginnen, Petri Liste abzuarbeiten: demütig sein, geschwisterlich sein, Helfender sein.

Neben Newton gibt es auch ein modernes Beispiel für Gnade. Madonna hat in ihrem persönlichen

Lied Oh father erzählt, wie sie zunächst Wut, Verzweiflung und Rache spürte, wenn sie sich an ihren Vater erinnerte, der sie verletzt hatte. Doch gerade im Schutz der Gnade sagt sie sich:

Du kannst mich nicht mehr verletzen. Ich bin dir entkommen. Du wolltest nicht grausam sein, jemand hat dich auch verletzt.

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