Im Augenblick sein

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Achtsamkeit und Bibel im Kontext der Mediennutzung

Neulich ist mir eine Überschrift etwas aufgestoßen: „Einfach mal abschalten.“ Als ich darüber reflektierte, wurde mir klar: dieses einfach ist manchmal ganz schön schwer. In der heutigen Weise, wie viele Menschen mit Medien umgehen, sind oft mehrere Kanäle parallel online und das Handy ist zum Minicomputer geworden. Drei exemplarische Bibel-Zitate, wie man im Augenblick sein kann.

Sich selbst einen Sendeschluss setzen? Bis in die 1960er Jahre zeigte die öffentlich-rechtlichen Sender nach Mitternacht lediglich ein Testbild. Bild: Rotkaeppchen68 / Wikimedia.org

Der menschliche Petrus

Simon Petrus ist ein Bauchmensch. Beim letzten Abendmahl möchte er nicht nur am Fuß, sondern am ganzen Körper durch Jesus gewaschen werden. So sehr er sich freuen konnte, so sehr hatte er manchmal auch Angst, etwa als Jesus prophezeite, ehe der Hahn krähe, werde Petrus Jesus drei mal verleugnen.

Eine andere Geschichte zeigt Petrus als jemanden, der das Glück am liebsten nicht nur am Schopf packen, sondern dauerhaft festhalten will. Jesus lässt Moses und Elias auf einem Hügel erscheinen. Es scheint höchst sonderbar gewesen zu sein, was mit dem Begriff der Verklärung angedeutet wird. Man spürt richtig, wie Petrus begeistert ist:

Petrus aber antwortete und sprach zu Jesus: Herr, hier ist gut sein! Willst du, so will ich hier drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine. (Matthäus 17,4)

„… und manchmal drücke ich nicht auf den Auslöser“

An sich eine schöne Sache: Nägel mit Köpfen machen, ganz konkret hier und jetzt. Doch der Ausruf Petri zeigt gleichsam: Es soll immer so bleiben. Das Heilige soll manifest werden. Drei Hütten, das sind Wohnplätze, an denen das Heilige immer besuchbar wäre.

Manchmal kann auch ein Medium wie das Handy den Augenblick zerstören. Die Menge der Fotos steigt indirekt proportional mit der Zeit, die man für ein Handyfoto noch aufwendet. Wie sagte Sean O’Connell (Sean Penn), Fotograf in dem Film Das erstaunliche Leben des Walter Mitty: „… und manchmal drückt ich nicht auf den Auslöser.

Christi Himmelfahrt: Jesus grenzt sich ab

Ein zweite Symbolgeschichte findet sich an Christi Himmelfahrt wieder: Jesus kann nicht bleiben, sondern kehrt zu Gott zurück. Man kann sich richtig vorstellen, wie viele Menschen den auferstandenen Jesus berühren, ja regelrecht festhalten wollten. Da grenzt sich Jesus ab:

Jesus sagte: Halte mich nicht fest! Denn ich bin noch nicht zu meinem Vater in den Himmel zurückgekehrt. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe zurück zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott (Johannes 20,17)

Es geht also um die Achtsamkeit für das eigene Innere. Was will ich eigentlich wirklich? Manchmal merkt man bei sich, wie man reflexartig antwortet: „Bitte, gerne“, wo man doch eigentlich „Danke, nein“ sagen wollte. Wer ganz im Augenblick ist, dem ist die eigene Seele sehr nahe. Jesus muss es gespürt haben: Es liegt noch etwas vor mir. Ich habe etwas, was größer ist, was vielleicht nicht alle verstehen werden, aber was wichtig ist. Jesus lässt die Mitmenschen nicht im Regen stehen: Nein, Gott dürfen wir auch Vater nennen, ja liebevoll und zärtlich sogar Papa.

Bezogen auf Mediennutzung braucht nicht alles gefallen. Manchmal das Handy abschalten und die unmittelbaren Sinne umso stärker einschalten.

Sich dem Neuen zuwenden

Das dritte und letzte Beispiel ist ein Vergleich, der für die damalige Lebenssituation recht anschaulich wahr:
Jesus aber sprach zu ihm: Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. (Lukas 9,62)

Orpheus und Eurydike: Weil Orpheus sich gegen die Bedingung stellte und sich zu seiner Frau umdrehte, musste er zurück in die Unterwelt. Bild: Nicolas Poussin / Musée du Louvre, Paris, bereitgestellt unter freier Lizenz durch http://www.malerei-meisterwerke.de

Wenn man den Spruch frei übersetzen wollte, kann man sagen: „Wer mit dem Traktor nach vorne fährt, der sollte nicht zurückschauen, sonst fährt er in den Graben“. Doch auch die Gefahr, zu sehr vorausschauen zu wollen, führt vom Augenblick weg. Es gibt Momente, in denen Bewusstsein und Körper ganz eins sind. Gerade dann, wenn man nichts mit Medien macht, die ja doch einen Zwischenraum schaffen, in dem man nicht ganz bei sich und nicht ganz beim Anderen ist. Für mich persönlich spüre ich mich besoners deutlich während dem Sport, speziell Schwimmen. Für andere könnte es das Musizieren sein oder ein anderes Hobby. Jesus will in der Welt etwas anbrechen, für das er sich Menschen wünscht, die ganz präsent sind, ganz für das Neue da. Vielleicht kann ein kleiner Amfang zu biblischer Achtsamkeit sein, den Morgen mit einem Gebet zu beginnen und möglichst bei den Gedanken des Inneren zu bleiben.

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