Über das Aufwachen

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Das Leben wieder in die Hand nehmen

Immer wieder im Leben gibt es Momente, in denen man sich etwas wünscht, was gerade noch nicht oder nicht mehr der Fall ist. Dann tut es gut zu fragen: Will ich eine Veränderung innerhalb des Rahmens — also statt Salat zum Mittagessen lieber ein Schnitzel? Oder braucht es nicht vielmehr eine Änderung des Rahmens?

Nebel verhindert manchmal den klaren Blick auf das, was man möchte. Im Bild ist zusätzlich ein Filtereffekt verwendet.

 

Ein mir persönlich einstmals sehr wichtige Rahmen war der Journalismus. Angefangen mit der Schülerzeitung gab es eigentlich kaum Zeitpunkte im Leben, in denen ich nichts geschrieben hatte. Lange Jahre hatte ich mir den Beruf des Journalisten schön ausgemalt. Eigentlich so, dass man viel Zeit hat zum Zuhören oder zum kritischen Nachdenken. Der Alltag einer Tageszeitung war dann doch ein anderer. 18 Monate hatte ich eine Rolle einigermaßen gut ausgefüllt, aber doch hat sie mich innerlich nicht erfüllt.

Man kann es mit einer Schultüte vergleichen: Wenn man nur Steine hineintut, schaut es nach außen hin nach viel aus, aber Steine sind schwer und keine Süßspeisen, die man essen kann. Irgendwann gab es den Moment, in dem eine Stimme in mir wach wurde: Die innere Stimme, die eine Zeit lang im Gewirr der Anforderungen ganz schüchtern wurde. Es gab einen Schrei der Veränderung. Aus heutiger Sicht würde ich das mit einem Nebel vergleichen: Der Nebel war so dünn, dass er nicht bemerkbar war, aber so dick, dass doch spürbar weg war, als er sich gelöst hatte.

Die Freiheit tapfer ergreifen

Der Nebel war die Unfreiheit. Die innere Freiheit liegt darin, davon auszugehen, was ich tun möchte, ist erst einmal erlaubt anstatt ängstlich sich oder andere zu fragen: „Darf ich das?“ In dem persönlichen Beispiel führte mich die zunächst negative Freiheit „Journalist bin ich nicht“ über die Recherchetätigkeit als Journalist zum jetzigen Berufstraum: Bibliothekar werden.

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2 Kommentare

  1. Bernhard

    Das ist ein sehr schöner Beitrag Sebastian! Vielen Dank!
    Das erinnert mich an das Buch „Im Menschen Gott begegnen“ von Ladislaus Boros. Er beschreibt diesen Nebel, den du beschreibst vom Gegenteil her: Er spricht über Transparenz. Es beschreibt, wie schwer es ist, selbst transparent zu werden, transparent für Gott. Er beschreibt auch wie schön es ist wenn man es doch selten mal schafft transparent zu sein. Er meint die Transparenz in beide Richtungen: Von innen nach außen und von außen nach innen. Manchmal schafft man es Gott, der von außen kommt zu sehen, als Vater (in der Schöpfung) als Sohn (andere Menschen) und als heiliger Geist (z.B. in glücklichen Zufällen). Manchmal schaffen wir es auch, leider viel zu selten, dass Gott aus uns selbst heraus nach außen leuchtet. Dass alles aber nur wenn wir transparent sind. Denn das Licht ist bereits da, sowohl in uns selbst als auch in der Welt. Verdeckt wird es nur vom Nebel. Dieser Nebel kommt von unserem Ego. Immer wenn ich sage „ich will dies, ich will das …, ich will das nicht“ verdecke ich das Licht, das von innen und das von außen. So sieht Boros wohl die wohlbekannte Passage „Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden“. Amen 🙂

    • Lieber Bernhard,

      vielen Dank für deine Gedanken.
      Transparenz ist ein schöner Gegenbegriff zum Nebel. Man könnte vielleicht auch sagen Klarsicht, um in dem Bild des Nebels zu bleiben.
      Du hast Recht, in einigen Fällen fehlt die Selbstdistanzierung, um das Ego nicht zum Maßstab werden zu lassen.
      Da fällt mir auch Matthäus 4,19f. ein: „Und er sprach zu ihnen: Kommt, folgt mir nach! Ich will euch zu Menschenfischern machen. Sogleich verließen sie ihre Netze und folgten ihm nach.“ — also das, was einen bisher ans Falsche gebunden hat, hinter sich lassen (können).

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